Frei Reden ohne Skript: 3 Techniken

von Argumentorik, 6. Juni 2018

Könnten Sie 7 Minuten lang reden – ohne Skript, PowerPoint oder irgendeine Aufzeichnung?

Natürlich wirken Sie selbstsicher und kompetent, wenn Sie keine Hilfsmittel zur Präsentation benötigen. Gelichzeitig haben Sie beide Hände frei, um Ihre Inhalte mit wirkungsvoller Gestik zu untermalen. Vor Allem aber können Sie ununterbrochen Blickkontakt zu Ihrem Publikum halten und dadurch eine echte Verbindung zu diesem aufbauen.

Mit den folgenden drei psychologischen Techniken wird auch Ihnen das Reden ohne Skript gelingen:

1. Strukturiert statt Spontan

Wenn erfahrene Redner frei vortragen, wirkt es manchmal, als redeten sie ganz spontan über das, was ihnen gerade in den Sinn kommt. Sie scheinen sich vollkommen von ihrer Intuition leiten zu lassen.

Natürlich trügt dieser Schein: Ein erfahrener Redner ist im Normalfall bestens auf seinen Vortrag vorbereitet und hat jeden noch so kleinen Witz geplant.

Das wiederum ist gar kein Hexenwerk. Psychologische Studien lassen keinen Zweifel daran, dass sich Menschen Vorträge von 10 bis 15 Minuten locker merken können – wenn sie ihre Inhalte klar strukturieren.

Struktur heißt: Sie unterteilen Ihre Präsentation in einzelne Gliederungspunkte und diese wiederum in Unterthemen. Dann arbeiten Sie eines nach dem anderen ab.

Woran erkennen Sie, dass Ihr Vortrag eine gute Struktur hat? Ganz einfach: Sie sind in der Lage, Ihre Präsentation in einer einfachen Grafik darzustellen. Ein Din-A4 Blatt, ein paar Kästchen und Striche, das muss reichen.

Achtung! Der Umstand, dass Sie eine klare Struktur verfolgen, setzt nicht voraus, dass Sie diese Struktur auch ausdrücklich erwähnen. Es reicht vollkommen, dass Sie sich selbst Ihrer Struktur bewusst sind, um sich von ihr durch den Vortrag leiten zu lassen.

Eine strukturierte Vorbereitung erleichtert es Ihnen nicht nur, sich Ihren Vortrag zu merken. Sie reduzieren gleichzeitig Ihre Unsicherheit und das Risiko, im Eifer einen wichtigen Punkt zu vergessen.

2. Erleben statt auswendig lernen

Viele Menschen glauben, es genüge, einen Text nur oft genug durchzulesen, um ihn auswendig zu können. Sie drucken sich Ihre Rede aus, lesen Sie 10-mal vor dem Einschlafen und 10-mal auf dem Weg zum Vortrag. Der Effekt: Minimal. Sie haben kaum etwas von dem Text behalten.

Psychologische Studien bestätigen immer wieder, dass das reine Widerholen von Texten unser Gedächtnis nicht anregt. Das kennen Sie doch sicher noch vom Vokalbellernen in der Schule: Durchlesen bringt nichts.

Vielleicht haben Sie aber auch schon die Erfahrung gemacht, wie schnell Sie eine fremde Sprache lernen, wenn Sie sich in dem entsprechenden Land befinden, in dem diese gesprochen wird. Die Sprache wird dann zum Erlebnis – Sie lernen sie fast automatisch.

So ist es auch beim Vortrag. Anstatt diesen als Textdokument immer wieder zu überfliegen, könnten Sie versuchen, Ihre Präsentation wirklich zu erleben. Begeben Sie sich in die Vortragssituation: Stellen Sie sich von Ihren Spiegel und sprechen Sie laut zu einem imaginären Publikum. Spielen Sie den Vortrag mindestens zwei Mal nach und vermeiden Sie dabei mutig den Blick auf Ihr Skript.

Auf diese Weise verinnerlichen Sie Ihren Vortrag viel schneller.

3. Emotional statt Einfach

Haben Sie auch die Versuchung, einen Vortrag, den Sie ohne Skript halten sollen, möglichst einfach zu gestalten? Sie wollen Daten und Fakten präsentieren und möglichst schnell fertig werden? Damit machen Sie es sich selbst unnötig schwer!

Nicht Daten und Fakten, sondern Emotionen regen unser Gedächtnis an. Alles, was Sie aufregt und in eine besondere Stimmung versetzt, merken Sie sich sofort. Ein Trick für Ihren Vortrag ist es also, emotionale Momente als Eckpfeilern für Ihr Gedächtnis in Ihrem Vortrag zu verteilen.

Was meine ich mit „emotionalen Momenten“? Emotionen werden ausgelöst, wann immer Sie eine Geschichte erzählen. Das kann eine kurze Anekdote sein, ein persönliches Erlebnis oder ein Witz. Wenn Sie solche Geschichten in Ihren Vortrag streuen – als Einleitung, Überleitung oder Beispiel – schaffen Sie emotionale Momente.

Der Vorteil: Ihr Vortrag bleibt nicht nur Ihnen leicht in Erinnerung, sondern auch Ihrem Publikum.

Bevor es mit dem Artikel weiter geht, schau Dir folgenden Rhetorik-Tipp an:

Was machen Sie im Notfall?

Mein Eindruck ist: Viele Menschen könnten Ihren Vortrag problemlos ohne Skript halten. Trotzdem trauen sie sich nicht, ohne Karteikarten oder PowerPoint vors Publikum zu treten. Sie fürchten den unwahrscheinlichen Fall, dass sie plötzlich den Faden verlieren und alles vergessen. Karteikarten und PowerPoint sind dann hauptsächlich dafür da, diese Angst zu bewältigen.

Aber Sie brauchen diese Hilfsmittel nicht – denn Sie haben sogar für den Notfall einen Plan. Folgende 3 Strategien können Sie immer anwenden:

  1. Wiederholen Sie, was Sie eben gesagt haben. Betonen Sie noch einmal, was Ihnen dabei besonders wichtig ist.

  2. Stellen Sie eine Frage an das Publikum. Fragen Sie nach einer Meinung oder nach persönlichen Erfahrungen. Das verschafft Ihnen Zeit, über Ihren nächsten Punkt nachzudenken.

  3. Fahren Sie fort mit dem nächsten Punkt, der Ihnen in den Sinn kommt, auch wenn Sie wissen, dass Sie einen geplanten Teil auslassen. Bevor Sie den neuen Punkt beginnen, machen Sie deutlich, dass Sie das aktuelle Thema im Anschluss noch vertiefen oder in die Diskussion geben wollen. Damit halten Sie sich die Möglichkeit offen, später Ergänzungen vorzunehmen.

Grundsätzlich gilt: Haben Sie keine Angst davor, etwas zu vergessen. In den meisten Fällen bemerkt das sowieso keiner, da ja das Publikum Ihren Vortrag nicht kennt. Sollte doch jemandem eine Unvollständigkeit auffallen, wird er sie Ihnen verzeihen können. Denn eines steht fest: Die überzeugende Wirkung eines freien Vortrags ist meist wichtiger, als ein 100% vollständiger Inhalt.

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Autor: Johannes Stark


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