Rhetorik-Übung für Ihr Erfolgstraining: Werden Sie Ihr eigener Coach!

von Argumentorik, 9. August 2018

Ich könnte mein gesamtes Gehalt für Coaching und Training ausgeben, bei all dem, was ich noch lernen will,“ meinte eine Freundin neulich.

Es dauerte einen Moment, bis ich begriff, dass Sie mir nicht nur Ihre Wissbegier und Ihren Lernwillen deutlich machen wollte. Hinter Ihrem lustig-gemeinten Spruch versteckt sich ein Vorwurf an das Coaching- und Training-Business: Ein teurer Spaß. Ein Privileg der Reichen und Wichtigen.

Kann man ihr rechtgeben? Ist ein Angebot, wie Rhetorik-Training, nur den Führungskräften unter uns vorbehalten?

Ich will Ihnen nichts vormachen: Eine Einzelstunde mit einem professionellen Rhetorik-Trainer ist eine Investition. Der praktische Nutzen einer solchen Stunde hängt jedoch zum großen Teil von Ihrem selbstständigen Wiederholen und Üben ab. Und das ist völlig kostenfrei.

Ich gehe sogar soweit, zu behaupten: Effektives Rhetorik-Training beginnt mit selbstständigen Rhetorik-Übungen: Sie probieren einfach mal aus. Dabei sammeln Sie Erfahrung, die es Ihnen dann ermöglicht, das Maximum aus einem professionellen Training für sich rauszuholen. Sie können dem Trainer dann konkrete Fragen stellen, seine Tipps einordnen und sofort umsetzen.

In diesem Artikel lernen Sie, wie Sie in 3 Schritten Rhetorik praktisch trainieren können.

Rhetorik-Übung #1: Beobachten Sie sich

Diese Rhetorik-Übung basiert darauf, dass Sie eine Aufmerksamkeit für Ihr eigenes Verhalten in der Vortragssituation entwickeln. Sie lernen nach und nach, Ihre Stimme, Ihre Körpersprache und natürlich auch Ihren Inhalt als Werkzeuge zu sehen, die eine bestimmte Wirkung auf den Zuschauer haben. Je mehr Aufmerksamkeit Sie für Ihr Verhalten entwickeln, desto leichter fällt es Ihnen, dieses zu kontrollieren und zu verändern. Das ist das ultimative Ziel.

Aber lassen Sie uns einfach starten: Denken Sie daran, gleich bei nächster Gelegenheit Ihren Vortrag oder Ihre Präsentation aufzuzeichnen. Ein Handy-Video reicht schon. Achten Sie nur darauf, dass sich das Handy während des Vortrags in Ihrer unmittelbaren Nähe befindet, damit die Tonaufnahme brauchbar ist.

Legen Sie sich ein kleines Stativ für Ihr Handy zu oder bitten Sie eine Person Ihres Vertrauens, Sie aus der vordersten Reihe zu filmen.

Rhetorik-Übung #2: Entdecken Sie Ihr Entwicklungspotenzial

Jetzt geht es um die Analyse des Videos. Auch diese können Sie selbstständig durchführen. Schauen Sie sich Ihre Aufzeichnung ruhig einmal ohne Vorerwartung an und nehmen Sie die generelle Wirkung Ihres Vortrags wahr.

Als nächstes sollten Sie dann konkreter werden. Nehmen Sie sich ein Din A4 Blatt und machen Sie drei Kategorien, auf die Sie speziell achten wollen. Für den Anfang empfehlen wir die Kategorien: Stimme, Körpersprache und Inhalt.

Jetzt schauen Sie sich das Video dreimal an und richten Ihre Aufmerksamkeit jedes Mal auf eine andere der drei Kategorien. Während Sie Ihrem Vortrag folgen, machen Sie sich ausführlich Notizen zu Ihren Eindrücken.

Auf was achten Sie konkret?

Fokussieren Sie sich auf Ihre Stimme, dann kann Ihnen beispielsweise auffallen, dass Sie an manchen Stellen leiser, schneller oder langsamer reden. Klingt Ihr Vortrag eher monoton oder aufregend? Welche Melodie hat Ihre Stimme und welche Betonungen und Pausen prägen Ihren Sprachfluss?

Wenn es Ihnen um Ihre Körpersprache geht, bemerken Sie vielleicht, dass Sie sich im Raum hin- und herbewegen oder ungewöhnliche Gestiken mit Ihren Händen machen? Sind Sie entspannt oder eher zappelig? Welche Wirkung hat Ihre Mimik auf Sie?

Letztendlich geht es um den Inhalt und die Frage: Konnten Sie alles schlüssig und nachvollziehbar erklären? Welche Aussagen waren überflüssig? Was könnten Sie noch genauer erklären? Seien Sie kritisch und machen Sie sich Notizen zu jeder Unstimmigkeit.

Und jetzt fehlt nur noch der Verbesserungs-Versuch: Nehmen Sie die gleiche Rede auf – und geben Sie sich nochmal Feedback zu allen 3 Kategorien. Ist die Körpersprache nun besser? Die Stimme melodischer? Der Inhalt plausibler?

Wahrscheinlich sind Sie mit dem ersten Verbesserungsversuch schon zufriedener, als mit der allerersten Aufnahme. Doch noch nicht zu 100% zufrieden. Wenn Sie nun zu den Besten gehören wollen, dann üben Sie die gleiche Rede noch einmal. Oder drei Mal. Einfach so lange, bis Sie zu 80% zufrieden sind (100% werden Sie und auch ein Rhetorik-Profi nie erreichen).

Achja, wenn Sie nun fragen, wie viele die Rede mehrmals wiederholt üben, dann sind das weniger als 10% unserer Coaching-Kunden. Der innere Schweinehund ist bei den meisten nun mal größer. Können Sie ihn bezwingen??

Rhetorik-Übung #3: Erweitern Sie Ihre Grenzen

Im letzten Schritt der Rhetorik-Übung geht es darum, Ihr Verhalten konkret zu verändern. Wahrscheinlich haben Sie an diesem Punkt bereits eine Fülle an Verbesserungsideen für Ihre Vortragsweise. Alles auf einmal geht aber nicht. Deshalb fokussieren Sie sich nun auf drei Skills, die Sie trainieren wollen – eines in jeder Kategorie.

Legen Sie für sich fest, was Sie ganz praktisch anders machen wollen. Diese drei Skills können Sie nun trainieren.

Gelegenheiten dafür gibt es genug. Solange Sie sich noch unsicher fühlen, vor einem fremden Publikum zu sprechen, halten Sie zunächst Vorträge vor dem Spiegel, einer laufenden Kamera oder im besten Falle vor Freunden und Bekannten. Auf lange Sicht empfehlen wir Ihnen, sich mit Gleichgesinnten in einem Meet-Up oder Club zusammenzutun und das Vortragen gemeinsam zu einer regelmäßigen Aktivität zu machen. Googlen Sie doch mal – so eine Gruppe gibt es sicher schon in Ihrer Stadt (z.B. „Toastmasters“).

Das ist Ihr Auftrag: Finden Sie möglichst viele Gelegenheiten, öffentlich zu sprechen. Nutzen Sie diese Gelegenheiten und fokussieren Sie sich auf die drei Skills, die Sie verbessern wollen. Nehmen Sie auch diese Vorträge wieder auf Video auf und beginnen Sie mit der Rhetorik-Übung von vorne.

An diesem Punkt könnten Sie dann auch in Erwägung ziehen, in eine Stunde mit einem professionellen Trainer zu investieren. Diesem können Sie Ihre Aufzeichnungen zeigen, Ihre Verbesserungsideen nennen und um konkrete Ratschläge bitten. So haben Sie minimale Kosten und maximalen Gewinn.

Autoren: Johannes Stark / Wladislaw Jachtchenko

Der Co-Autor Johannes Stark hat das Making-Of zu diesem Blog-Beitrag hier veröffentlicht.

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