Schlagfertigkeit – So beherrschen Sie das Spiel!

von Argumentorik, 5. Juli 2017

Schlagfertigkeit nennt man die coolen Sprüche und souveränen Antworten, die einem erst Stunden später einfallen. Gleichzeitig ärgert man sich dann, frägt sich: Warum bin ich darauf nicht gleich gekommen? Und nimmt sich vor: Nächstes Mal werde ich anders reagieren!

Und das nächste Mal kommt bestimmt. Ob im Büro, bei einer Party, unter Kollegen oder Konkurrenten – nirgends sind Sie vor blöden Bemerkungen und provokanten Fragen sicher. Noch lange kein Grund, sich verunsichern zu lassen! Schlagfertig antworten kann man lernen.

Die wichtigste Basis für Schlagfertigkeit ist Selbstsicherheit. Reagieren Sie gelassen und regieren Sie mit Humor, dann kann Ihnen keiner was.

Leichter gesagt als getan? Warten Sie ab!

Schlagfertigkeit ist wie ein Spiel: Ihnen wird ein Ball zugeworfen. Sie haben die volle Kontrolle darüber, was als nächstes geschieht. Provokante Sprüche sind in Wahrheit ein Geschenk – meistens gut vorhersehbar und perfekt geeignet, um selbst Eindruck zu schinden.

Warum vorhersehbar? Naja, provoziert werden Sie meistens nicht ohne Grund. Offensichtlich haben Sie irgendwie die Aufmerksamkeit Ihres Provokateurs erregt. Im Umkehrschluss müssen Sie immer dann mit einem blöden Spruch rechnen, wenn Sie etwas Außergewöhnliches tragen, sagen oder tun. Wenn Sie mit einem attraktiven Date auf einer Party sind, erregt das Eifersucht – Sie werden mit großer Wahrscheinlichkeit „attackiert“. Wenn Sie als erstes Ihr abgeschlossenes Projekt vorstellen, wird das auch nicht unbemerkt bleiben – manch ein Kollege wird Ihnen auf den Zahn fühlen wollen.

Wenn Sie also den entsprechenden Anreiz bieten, seien Sie auf Kommentare gefasst – nicht besorgt, aber besonnen. Freuen Sie sich auf die Bemerkungen. Im Grunde sind sie eine Form der Anerkennung. Und zur Erinnerung: Das alles ist ein Spiel.

Die Frage ist: Wie wird Ihr nächster Zug aussehen?

Möglichkeit 1: Aufdecken

Dieser Spielzug ist perfekt geeignet, wenn Sie überhaupt keine Lust haben, zu spielen. Sie nehmen den Ball gar nicht erst an, sondern werfen Ihn weg. Konkret heißt das: Sie entlarven die Taktik Ihres Gegenspielers, indem Sie sein Verhalten auf der Meta-Ebene kommentieren.

Die blöde Frage kommt. Sie lächeln und entgegnen: „Warum wollen Sie mich provozieren?“ oder „Was wollen Sie mit diesem Kommentar erreichen?“ und dann noch „Ich weiß ja, Sie wollen lustig sein, aber sind wir nicht zu alt für diesen Quatsch?“. Gratulation, Sie haben Ihren Gegenspieler bloßgestellt.

Nachteil von dieser Strategie: Sie sind der Spielverderber. Falls die Frage an Sie tatsächlich ihre Berechtigung hatte, könnte Ihre Reaktion unangemessen wirken. Sagen wir: Jemand kommentiert Ihren übertrieben schicken Anzug beim Sommerfest. In dem Fall sollten Sie vielleicht einfach über Ihren Schatten springen und mitspielen – vor Allem wenn Sie gerade Ihr Date beeindrucken wollen.

Möglichkeit 2: Zurückgeben

Jeder blöde Kommentar verrät Ihnen ein bisschen was über den Kommentator. Der Typ, der Ihnen in Bezug auf Ihr Date eine provokante Frage stellt, ist womöglich selbst vergeblich auf der Suche nach der geeigneten Partnerin. Der Kollege, der sich über Ihre Arbeit lustig macht, ist vielleicht mit der eigenen Leistung unzufrieden. Diese Beispiele zeigen: Es kann ein effektiver Spielzug sein, den Ball einfach zurückzuwerfen.

Antworten Sie kurz und knackig (mit einem entschiedenen Ja, Nein oder Vielleicht) oder sparen Sie sich die Rechtfertigung und geben Sie dann die gestellte Frage oder den Kommentar an den Gegenspieler zurück.

Wenn Ihr Kollege also behauptet: „Sie haben daran wohl die ganze Nacht gearbeitet.“ Drehen Sie den Spieß um und antworten: „Nein. Und wie lang arbeiten Sie schon an Ihrem Auftrag?“

Damit ist Ihr Gegner wieder am Zug – und das wahrscheinlich unvorbereitet.

Das größte Risiko dieser Strategie besteht darin, dass Ihr Gegenüber in diesem Moment der eigenen Unsicherheit selbst auf die Meta-Ebene geht. Weil ihm nichts mehr einfällt, antwortet er „Was geht Sie das an?“, „Jetzt haben Sie’s mir aber gegeben!“ oder gar „Da hab ich wohl einen wunden Punkt getroffen!“. Kein Problem für Sie, denn auf der Meta-Ebene sind Sie immer der Gewinner. Der andere hat schließlich angefangen. Er hat Sie schwach angeredet. Das dürfen Sie ihm jetzt klarmachen.

Möglichkeit 3: Ironie

Mit diesem Spielzug besiegen Sie den Gegenspieler, indem Sie selbst einen Korb werfen. Der Zaubertrick heißt Ironie. Sie nehmen Ihr Gegenüber beim Wort – aber nicht ernst. Sie interpretieren das Gesagte zu Ihren eigenen Gunsten um.

Auf „Sie sind doch das Letzte!“ kontern Sie „Ja, das Beste kommt immer zum Schluss.“

Dieser Spielzug ist die Königsdisziplin. Um Meister darin zu werden, brauchen Sie ein wenig Übung. Am Anfang werden Sie davon profitieren, sich einige Standartantworten zurecht zu legen. Sicherlich gibt es Themen, auf die Sie immer wieder angesprochen werden: Ihr Fleiß, Ihr Alter, Ihr Geschlecht, Ihre Herkunft. Wenn Sie auf diese Angriffsflächen eine originelle Antwort parat haben, werden Sie Ihren Gegenspielern souveräner begegnen können.

Und Souveränität ist alles in diesem Spiel.

Nun haben Sie drei Möglichkeiten gelernt, das “Spiel der Schlagfertigkeit” souverän zu meistern. Für weitere Schlagfertigkeitstechniken sei Ihnen an dieser Stelle der Online-Kurs „Schlagfertigkeit: Die 10 besten Schlagfertigkeitstechniken“ empfohlen, der Sie auf dieses Spiel exzellent vorbereitet.

Autor: Johannes Stark


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