Sicher auftreten bei völliger Ahnungslosigkeit

Sicher auftreten bei völliger Ahnungslosigkeit

von Argumentorik, 26. Mai 2019

 Artikel zur Podcast-Folge 7 aus dem Podcast “MENSCHEN ÜBERZEUGEN
 

Stellen Sie sich vor: Sie sind auf einem Networking-Event. Am Kaffeestand laufen ganz zufällig Sie dem Personalchef der Firma über den Weg, bei der Sie unbedingt arbeiten wollen. Sie kommen mit ihm ins Gespräch. Plötzlich fragt er Sie nach einem Thema, das in Ihrer Branche gerade heiß diskutiert wird. Sie stellen bestürzt fest: Sie wissen fast nichts darüber. “Jetzt muss ich etwas schlaues sagen,” schießt es Ihnen durch den Kopf. Aber was? Wie können Sie souverän auftreten obwohl Sie keine Ahnung haben?

Drei Techniken, mit denen Sie sich aus jedem Thema rausreden können, werden wir Ihnen in diesem Artikel vorstellen.

Doch bevor Sie überhaupt zu reden beginnen – drei wichtige Tipps:

Tipp 1: Achten Sie auf eine souveräne Körpersprache.

Sie wissen es selbst: Unsicherheit steht Ihnen ins Gesicht geschrieben. Sie runzeln die Stirn, wenden den Blick ab, schauen auf den Boden, verschränken die Arme, treten unruhig auf der Stelle. Damit verraten Sie sich sofort.

Deshalb ist der erste Tipp: Bewahren Sie Ruhe in Ihrem Körper und – achten Sie auf Ihre Körpersprache! Atmen Sie langsam. Bleiben Sie aufrecht und dem Gegenüber zugewandt.

Tipp 2: Behalten Sie den Blick eines Champions.

Wie schaut ein Olympia-Wettkämpfer vor dem Start. Fokussiert. Gerade aus. Mit einem sanften Sieger-Lächeln auf den Lippen. So halten Sie Blickkontakt mit Ihrem Gegenüber: Als hätten Sie über genau diese Frage 10 Bücher geschrieben. Sie sind der Experte.

Tipp 3: Sprechen Sie die Sprache des Weisen.

Genau so wie Sie Ihren besten Freunden von einem aufregenden Erlebnis erzählen, abends in der Bar – und gleichzeitig genau so, wie ein alter Professor mit seinen Studenten spricht – das ist die Sprache des Weisen. Ruhig. Heiter. Erfahren.

Beobachten Sie sich, wann Sie mit dieser Sprache sprechen. Üben Sie es für den Ernstfall.

Und was sagen Sie? Drei Rhetorik-Tricks …

Rhetorik-Trick #1: Ablenken

Die Technik Nr. 1 für souverän auftreten bei völliger Ahnungslosigkeit lautet: „Ablenken!“. Das machen auch ganz viele Politiker. Ihnen wird beispielsweise eine Frage gestellt, wie verhält es sich mit XYZ, was denken Sie darüber? Und der Politiker lenkt ab, und zwar ganz unauffällig. Zum Beispiel mit dem Trick: „Ja, viel wichtiger ist doch die Frage, ob ABC…“ Und dann beantwortet der Politiker die Frage ABC und ist ganz unauffällig verschwunden vom eigentlichen Thema XYZ, was ihn der Journalist gefragt hat. Also dieses langsame Abdriften von der ursprünglichen Frage zu dem Bereich, wo man sich auskennt, das ist auf jeden Fall eine sehr schöne Ablenktechnik.

Rhetorik-Trick #2: Abstrahieren

Technik Nr. 2 für souverän auftreten bei völliger Ahnungslosigkeit heißt „Abstrahieren!“. Abstrahieren bedeutet, wenn man nichts zum konkreten Sachverhalt was sagen kann, dann spricht man ganz abstrakt. Also beispielsweise, wenn ich gefragt werden würde, sollte man Jura studieren oder sollte man Geschichte studieren, oder was würdest du mir empfehlen, was für einen Beruf ich machen sollte, da würde ich auf jeden Fall, wenn ich mich in dem Bereich nicht auskenne, nicht konkret auf Jura eingehen, sondern ganz allgemein antworten:

„Was ist denn wichtig, wenn man sich für ein Studium entscheidet? Es ist wichtig, dass eine Sache einem wirklich Spaß macht. Denn wenn die Sache einem nicht Spaß macht, dann wird man sie auch nicht intensiv betreiben.“

Was habe ich gemacht? Ich habe zum Fach Jura gar nichts gesagt, sondern ich habe abstrahiert. Ich habe ganz allgemein darüber gesprochen, nach welchen Kriterien man sich das Studium aussuchen sollte. Das war also Technik Nr. 2 zum Thema souverän auftreten bei völliger Ahnungslosigkeit.

Rhetorik-Trick #3: Die Gegenfrage

Technik Nr. 3 zum Thema souverän auftreten bei völliger Ahnungslosigkeit ist „die Gegenfrage!“. Das heißt, man könnte eine Gegenfrage stellen. Also wenn ich gefragt werde: Was hältst du von XYZ? — Einfach die Gegenfrage stellen: „Was hältst du denn selber von XYZ?“ Manchmal fällt das dem anderen gar nicht auf. Wenn das aber auffällt und wenn der andere merkt, du arbeitest häufig mit Gegenfragen und willst nicht selber zuerst antworten, dann kann man auch eine Abwandlung davon nehmen und fragen: „Warum stellst du diese Frage?“ Oder: „Was bezwecken Sie mit Ihrer Frage?“ Also dann frage ich nach der Motivation, und wenn dann der Andere mir erklärt, was für eine Motivation er hat, kann ich wieder ablenken, indem ich weiter über meine/seine Motivation spreche und mir während der Zeit dann hoffentlich die passende Antwort auf die eigentliche Frage eingefallen ist.

Hinweis: Wer sich diese 3 Techniken in einem kurzen und prägnanten Video anschaen möchte, kann dies im folgenden machen. Es handelt sich um einen Ausschnit aus dem Online-Kurs “Selbstbewusst kommunizieren und überzeugen“.

Also Ablenken, Abstrahieren und Gegenfragen, das sind auf jeden Fall Dinge, wie man trotzdem selbstbewusst rüberkommt, obwohl man in Wirklichkeit im Moment der Fragestellung gar keine Ahnung hat. Wie gesagt, bei allen drei Techniken ist es ganz wichtig, dass man immer Blickkontakt hält, eine souveräne Stimme hat, eine Pause macht und mit der Körpersprache keine Zappelbewegungen macht. Sondern ganz cool tut, als wüsste man, was die Antwort wäre. Jetzt kannst auch Du souverän auftreten bei völliger Ahnungslosigkeit!

Du willst Deine Rhetorik etwas aufpolieren? Dann hast Du zwei Möglichkeiten: Entweder Du schreibst Dich gleich ein in unseren Online-Kurs Schwarze Rhetorik. Hier lernst Du, rhetorische Tricks und Manipulationstechniken zu entlarven! Oder Du besuchst unseren beliebten Online-Kurs Rhetorik!

Autor: Wladislaw Jachtchenko / Johannes Stark

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