Sprechrhythmus – Wie Sie zum Künstler der Pausen werden

von Argumentorik, 17. Mai 2017

Ungeübte Redner erkennt man oft an einer Gemeinsamkeit: Sie leiern ihren Vortrag herunter. Wenig anregend eilen sie durch die Zeilen und hangeln sich von Punkt zu Punkt. Wie viel von dem ankommt, was Sie sagen, hängt von einem Stilmittel ab, das meist unterschätzt wird – Ihrem Sprechrhythmus. Der Begriff klingt abstrakt. Dahinter verbergen sich aber gerade mal drei Sprecheigenschaften: Betonung, Pausen und Sprechtempo.

Im Folgenden erklären wir, wie Sie alle drei gezielt einsetzen.

1. Betonung

An seiner Betonung erkennen Sie den guten Redner. Wörter, die für das Verständnis des Inhalts wichtig sind, werden mit Nachdruck ausgesprochen – deutlicher und ein wenig lauter als alles andere. Während ein Redner spricht, fragt er sich: Was will ich mit diesem Satz aussagen? Dann entscheidet er, welche Wörter er betonen muss.

Nur ausgesprochen gute Redner können einen unbekannten Text aus dem Stegreif mit perfekter Betonung vortragen. Ihnen persönlich mag das herausfordernd vorkommen. Probieren Sie es trotzdem: Drucken Sie sich einen Wikipedia-Text aus und tragen Sie ihn mit übertriebener Betonung vor. Das ist eine gute Übung – für den Start. Ansonsten empfiehlt es sich natürlich, Ihren Text vor dem Vortrag aufmerksam durchzuarbeiten. Welche Wörter und Aussagen wollen Sie betonen? Machen Sie sich einfach kleine Markierungen auf das Blatt. Davon können Sie sich beim Vortrag entspannt leiten lassen.

2. Pausen

Ungeübte Vortragende vermeiden es, Pausen zu machen. Sie können die Stille kaum aushalten und reden deshalb wie ein Wasserfall. Dabei sind Pausen wichtige Stilmittel. Ein Augenblick Ruhe – das genügt den Zuhörern oft schon, das eben Gesagte aufzunehmen und zu speichern. Deshalb gilt: Nach jedem wichtigen Satz sollte eine kurze Pause kommen. Holen Sie kurz Luft, lassen Sie die Aussage wirken. Zwei bis drei Sekunden reichen schon.

Je nach Art des Vortrags, können Sie solche Pausen ruhig alle vier bis sechs Sätze einbauen. Planen Sie die Pausen am besten ebenfalls im Vorhinein ein und vermerken Sie sie in Ihren Unterlagen, sodass Sie sie während des Vortrags sicher berücksichtigen können.

3. Sprechtempo

Die richtige Sprechgeschwindigkeit beherrscht jeder von uns – im Alltag zumindest. Die einzige Schwierigkeit bei Vorträgen ist dann, nicht langsamer oder schneller zu werden. Unaufmerksamkeit oder Aufregung sind die häufigsten Gründe dafür.

Um ein angenehmes Sprechtempo zu halten, hilft es oft schon, sich selbst zuzuhören. Zeichnen Sie Ihre Vorträge auf und bitten Sie um Feedback: Sind Sie zu schnell oder zu langsam? Für beide Fälle gibt es kleine Tricks: Wenn Sie wegen Aufregung zu schnell sprechen, gewöhnen Sie sich Atempausen an, in denen Sie bewusst einatmen und zur Ruhe kommen. Falls Sie unbewusst langsamer werden, schreiben Sie sich doch zur Übung einen kleinen Hinweis auf Ihr Pult, Ihren Laptop – auf Präsentationsmaterial, das nur Sie sehen können. Erinnern Sie sich kontinuierlich daran, dass Sie wieder zu Ihrem ganz natürlichen Sprechtempo zurückfinden.

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Autor: Johannes Stark


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