Sprechrhythmus – Wie Sie zum Künstler der Pausen werden

Sprechrhythmus – Wie Sie zum Künstler der Pausen werden

von Argumentorik, 30. Mai 2020

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Ungeübte Redner erkennt man oft an einer Gemeinsamkeit: Sie leiern ihren Vortrag herunter. Wenig anregend eilen sie durch die Zeilen und hangeln sich von Punkt zu Punkt. Wie viel von dem ankommt, was Sie sagen, hängt von einem Stilmittel ab, das meist unterschätzt wird – Ihrem Sprechrhythmus. Der Begriff klingt abstrakt. Dahinter verbergen sich aber gerade mal drei Sprecheigenschaften: Betonung, Pausen und Sprechtempo.

Im Folgenden erklären wir, wie Sie alle drei gezielt einsetzen.

1. Betonung

An seiner Betonung erkennen Sie den guten Redner. Wörter, die für das Verständnis des Inhalts wichtig sind, werden mit Nachdruck ausgesprochen – deutlicher und ein wenig lauter als alles andere. Während ein Redner spricht, fragt er sich: Was will ich mit diesem Satz aussagen? Dann entscheidet er, welche Wörter er betonen muss.

Nur ausgesprochen gute Redner können einen unbekannten Text aus dem Stegreif mit perfekter Betonung vortragen. Ihnen persönlich mag das herausfordernd vorkommen. Probieren Sie es trotzdem: Drucken Sie sich einen Wikipedia-Text aus und tragen Sie ihn mit übertriebener Betonung vor. Das ist eine gute Übung – für den Start. Ansonsten empfiehlt es sich natürlich, Ihren Text vor dem Vortrag aufmerksam durchzuarbeiten. Welche Wörter und Aussagen wollen Sie betonen? Machen Sie sich einfach kleine Markierungen auf das Blatt. Davon können Sie sich beim Vortrag entspannt leiten lassen.

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Sprechrhythmus Training: Gedichte rezitieren

Wurden Sie auch in der Schule von Ihrem Deutschlehrer gezwungen, Gedichte auswendig zu lernen? Ich kann verstehen, falls sich Ihre Begeisterung für Gedichte dann in Grenzen hält. Tatsächlich sind Gedichte etwas sehr Faszinierendes: Sie sind eine komprimierte, „verdichtete“ Form der Sprache. Deshalb eignen sich Gedichte exzellent für das Sprechtraining.

Drucken Sie sich ein Gedicht aus – Rilke, Eichendorff, Heym, Tucholsky. Dann lesen Sie das Gedicht zunächst still und überfliegen den Inhalt und den Aufbau. Machen Sie sich bereits Notizen, welche Wörter Sie für besonders emotional oder aussagekräftig halten. Dann lesen Sie das Gedicht laut und achten dabei bewusst auf die Betonung. Variieren Sie auch mal – betonen Sie einmal das eine Wort und dann ein anderes. Prüfen Sie, wie der Sinn des Gedichts am eindrücklichsten vermittelt wird. 

2. Pausen

Ungeübte Vortragende vermeiden es, Pausen zu machen. Sie können die Stille kaum aushalten und reden deshalb wie ein Wasserfall. Dabei sind Pausen wichtige Stilmittel. Ein Augenblick Ruhe – das genügt den Zuhörern oft schon, das eben Gesagte aufzunehmen und zu speichern. Deshalb gilt: Nach jedem wichtigen Satz sollte eine kurze Pause kommen. Holen Sie kurz Luft, lassen Sie die Aussage wirken. Zwei bis drei Sekunden reichen schon.

Je nach Art des Vortrags, können Sie solche Pausen ruhig alle vier bis sechs Sätze einbauen. Planen Sie die Pausen am besten ebenfalls im Vorhinein ein und vermerken Sie sie in Ihren Unterlagen, sodass Sie sie während des Vortrags sicher berücksichtigen können.

Sprechrhythmus Training: Bis-drei-zählen

Als Vortragender kommt Ihnen wahrscheinlich jede Pause wie eine kleine Ewigkeit vor. Aber vertrauen Sie mir, das Publikum sieht das anders. Ich habe selten einen Zuhörer gehabt, der meinte: Oh, das waren aber zu lange Pausen. Sprechpausen von bis zu drei Sekunden fallen den Zuhörern in der Regel nicht auf und tragen gleichzeitig zu Ihrer Verständlichkeit bei.

Damit Sie ein Gefühl für Ihre Pausen bekommen, können Sie bei der Vorbereitung auf Ihren Vortrag einmal bewusst auf Ihre Pausen achten. Jedes Mal, wenn Sie eine Pause machen wollen – also nach jedem Satz und nach jedem Sinnabschnitt – zählen Sie in Gedanken bis drei. Das sind die drei Sekunden, die Ihre Pause dauern darf.

3. Sprechtempo

Die richtige Sprechgeschwindigkeit beherrscht jeder von uns – im Alltag zumindest. Die einzige Schwierigkeit bei Vorträgen ist dann, nicht langsamer oder schneller zu werden. Unaufmerksamkeit oder Aufregung sind die häufigsten Gründe dafür.

Um ein angenehmes Sprechtempo zu halten, hilft es oft schon, sich selbst zuzuhören. Zeichnen Sie Ihre Vorträge auf und bitten Sie um Feedback: Sind Sie zu schnell oder zu langsam? Für beide Fälle gibt es kleine Tricks: Wenn Sie wegen Aufregung zu schnell sprechen, gewöhnen Sie sich Atempausen an, in denen Sie bewusst einatmen und zur Ruhe kommen.

Falls Sie unbewusst langsamer werden, schreiben Sie sich doch zur Übung einen kleinen Hinweis auf Ihr Pult, Ihren Laptop – auf Präsentationsmaterial, das nur Sie sehen können. Erinnern Sie sich kontinuierlich daran, dass Sie wieder zu Ihrem ganz natürlichen Sprechtempo zurückfinden.

Es macht übrigens gar nichts, wenn Sie Ihr Sprechtempo variieren. Ganz im Gegenteil. Wenn Sie manche Passagen Ihres Vortrags schneller sprechen und dann hin und wieder einen Satz ganz langsam sprechen, können Sie zusätzlich Spannung erzeugen. Die Aufmerksamkeit Ihres Publikums auf diesem langsamen Satz ist dann besonders groß.

Sprechrhythmus Training: Silben-Klatschen

Vielleicht haben Sie sich ja schon einmal gefragt: Wie schnell ist zu schnell? Um das herauszufinden gibt es eine ganz einfache Übung – das Silben-Klatschen. Klatschen Sie, während Sie reden, jede Silbe mit. Sie werden schnell bemerken, dass bei einer gewissen Sprechgeschwindigkeit Schluss ist. Sie können nicht noch schneller klatschen.

Wenn Sie bereits wissen, dass Sie an bestimmten Stellen Ihres Vortrags zu schnellem Sprechen neigen, probieren Sie vorbereitend das Silben-Klatschen aus. So bekommen Sie ein Gefühl für das richtige Sprech-Tempo.

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Autor: Johannes Stark


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