Wohin mit den Händen? Tipps für gute Gestik.

Wohin mit den Händen? Tipps für gute Gestik.

von Argumentorik, 22. Oktober 2019

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Wir alle wissen: Mit guter Gestik lenken Sie die Aufmerksamkeit des Publikums, veranschaulichen Informationen, regen die Zuhörer zum Mitmachen an und bringen Dramatik in den Vortrag.

Zusammengefasst unterscheidet man zwischen zwei Effekten guter Gestik:

(1) Sie unterstützt die Wirkung der Inhalte, die Sie präsentieren.

(2) Sie unterstützt Ihr Wirkung als Person. 

Drei Level wirkungsvoller Gestik

Unterstützt Ihre Gestik den Inhalt Ihres Vortrags? Auf diese Frage kann es drei Antworten geben.

Die erste Antwort – Level 1: Sie halten Ihre Arme und Hände bewegungslos in einer stabilen Position. Sie machen die Merkel-Raute, falten die Hände oder halten einen Stift. Diese Position kann Ruhe und Souveränität ausstrahlen – und ist damit alle mal besser als ein hektisches Nesteln, Zupfen und Spielen and Ihrer Kleidung, Ihren Haaren oder Ihren Fingern, wie es viele Menschen in aufgeregter Situationen zeigen.

Auf dem ersten Level der Gestik unterstützt Ihre Gestik zwar nicht aktiv den Inhalt Ihres Vortrags, aber sie lenkt auch nicht davon ab. Das ist schon einmal nicht schlecht.

Hinweis: Möchten Sie mehr über Körpersprache erfahren? Über Mimik & Gestik – und viele weitere Geheimnisse souveräner Körpersprache? Dann schauen Sie sich das YouTube-Video “Warum ist Körpersprache so wichtig?” aus dem kompletten Online Kurs “Körpersprache verbessern: 10 Geheimnisse und 10 Gebote” an:

 

Die zweite Antwort – Level 2: Sie ahmen mit dynamischen Handbewegungen Ihren Sprechrhythmus nach. Dafür haben viele Menschen ganz individuelle Bewegungsmuster. Sie schwenken Ihre Hände auf und ab, vor und zurück. Diese Gestik steht zwar in keinem Zusammenhang mit dem Inhalt Ihres Vortrags, sie unterstreicht jedoch die Dynamik und kann Ihren Vortrag auf diese Weise unterhaltsamer machen.

Die dritte Antwort – Level 3: Nun steht Ihre Gestik in direktem Zusammenhang mit dem Inhalt Ihrer Worte. Sie imitieren das Gesagte durch eine Handbewegung. Klassischerweise sind das Aufzählungen, die Sie mit den Fingern nachempfinden, ein Abwiegen mit zwei nach oben geöffneten Handflächen oder eine Schneide-Bewegung, um einen Punkt zu unterstreichen. Diese Gestik zahlt direkt auf die inhaltliche Verständlichkeit Ihres Workshops ein.

Vom Tiefstatus zum Hochstatus durch Ihre Gestik

Ihre Gestik kann nicht nur Ihre Inhalte bekräftigen, sondern auch Ihre Wirkung als Person. Um das nachvollziehen zu können, müssen wir uns zunächst bewusst werden, dass wir immer mit einem bestimmten Status auftreten – einem Tiefstatus oder einem Hochstatus. Tiefstatus bedeutet, dass ich selbstunsicher und den anderen Menschen eher unterlegen bin, während der Hochstatus aussagt, dass ich selbstbewusst und mit allen Anwesenden auf Augenhöhe bin.

Mit Ihrer Gestik können Sie beeinflussen, ob Sie eher im Hochstatus oder im Tiefstatus wirken. Halten Sie die Hände beispielsweise in Ihren Hosentasche oder hinter Ihrem Rücken, wirken Sie eher unsicher – das zahlt auf einen Niederstatus ein. Für einen Hochstatus dagegen empfehlen wir: Halten Sie Ihre Hände locker etwas über dem Gürtel, teilweise ruhend und teilweise mit gezielten Bewegungen. So wirken Sie souverän und selbstbewusst.

Außerdem können sie durch Ihre Gestik beeinflussen, wie offen Sie auf andere Menschen wirken. Seien Sie sich bewusst, dass Ihre verschränkten Arme abweisend wirken können. In Vortragssituationen empfehlen wir daher: Öffnen Sie Ihre Gestik. Bewegen Sie Ihre Hände. Finden Sie dabei Ihren eigenen authentischen Stil – nicht zu zaghaft, nicht zu ausladend.

In drei Schritten zur wirkungsvollen Gestik

Doch wie macht man das genau? In folgenden drei Schritten lernen Sie, Ihre Gestik wirkungsvoll zu nutzen:

1. Lernen Sie sich kennen

Seit Jahren tragen Sie immer wieder Inhalte vor Leuten vor. Dabei haben Sie sich natürlich allerhand Verhaltensweisen angewöhnt. Wenn Sie ab jetzt Ihre Gestik wirkungsvoller einsetzen wollen, sollten Sie sich erst einmal bewusst werden, was Sie aktuell mit Ihren Händen beim Vortragen machen.

Beauftragen Sie eine Person Ihres Vertrauens, Sie bei einer kurzen Präsentation mit einem Smartphone zu filmen. Zwei Minuten reichen völlig aus! Ebenso haben Smartphones heutzutage gute Kameraqualität. Niemand braucht eine moderne Spiegelreflexkamera. Und theoretisch könnten Sie das Smartphone auch so geschickt auf Ihrem Schreibtisch positionieren, dass Sie nicht einmal einen Freund brauchen, um sich selber zu filmen.

Vielleicht zappeln Sie, vielleicht stehen Sie ganz steif da, vielleicht spielen Sie mit Ihrer Kleidung. Vielleicht wackeln Sie mit der Hüfte. Egal. Erstmal geht es darum, den Status Quo zu erkunden.

2. Erlangen Sie Kontrolle über Ihre “Standard-Position”

Finden Sie Ruhe in einem festen Stand – die Arme in offener und entspannter Haltung. Wenn Sie Ihre Hände trotzdem unkontrolliert bewegen: suchen Sie sich Halt. Nehmen Sie einen Presenter oder eine Karteikarte in die Hand und versuchen Sie, nicht daran herumzuspielen. Damit haben Sie eine ruhige Grundhaltung. Entspannen Sie vor allem Ihre Finger. Daran sieht man häufig die Nervosität.

Damit Sie nicht zu ruhig und zu starr wirken, müssen Sie während des Vortrags geeignete Momente finden, in denen Sie die ruhige „Standard-Position“ verlassen. In diesem Moment führen Sie eine zielgerichtete Bewegung aus. Und genau um diese Schlüsselbewegungen geht es im nächsten Abschnitt.

3.Erarbeiten Sie sich “Schlüsselbewegungen”

Was sind Schlüsselbewegungen? Damit sind kontrollierte Gesten gemeint, die in einer bestimmten Situation eine spezifische Botschaft vermitteln sollen. Das klassische Beispiel: Sie zählen mehrere Punkte auf und verdeutlichen jeden Punkt mit einem Fingerzeig. Oder, Sie zeigen einen Vergleich auf, indem Sie einen Sachverhalt mit der einen Hand anzeigen und den Gegensätzlichen mit Ihrer anderen Hand.

Derartige Schlüsselbewegungen sollten Sie sich im Vorhinein einplanen und dann während des Vortrags gezielt einsetzen. Überlegen Sie sich passende Schlüsselbewegungen und arbeiten an der exakten Feinabstimmung: Halten Sie die Hand vor oder neben dem Körper? Wie ist sie vom Publikum aus zu sehen? Aufschluss über diese Fragen könnte Ihnen wieder eine Videoanalyse geben. Bewegen Sie den Arm schwungvoll oder stockend? Ist die Bewegung zaghaft oder sogar übertrieben ausladend? Und wie wirkt das auf die Zuschauer?

Mit ein wenig Aufmerksamkeit werden diese Schlüsselbewegungen nach und nach immer dynamischer – und mit etwas Übung zum Automatismus. Bald schon verfügen Sie über ein solides Repertoire an Handzeichen, die Sie gezielt einsetzen können. Sie geben Ihrer Gestik Bedeutung.

Momentan mag Ihnen der Feinschliff Ihrer Gestik noch umständlich vorkommen. Er kostet Sie viel Aufmerksamkeit. Die gute Nachricht ist jedoch: Nach kurzer Zeit werden Sie die Handlungsabläufe, die Sie üben, verinnerlicht haben. Dann werden Sie eine passende und eindrucksvolle Gestik zeigen, ohne groß darüber nachdenken zu müssen – fast automatisch.

Der Fleiß zahlt sich hier aus.

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Autoren: Johannes Stark / Wladislaw Jachtchenko

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