Der Qualitäts-Check: 4 Merkmale von effektivem Führungscoaching

von Argumentorik, 23. Juli 2018

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Schon mal Führungscoaching gegoogelt?

Da werden Sie überflutet mit schick durchdesignten Websites, auf denen Ihnen smart gekleidete Professionals entgegengrinsen – eingerahmt von einer Wand aus Buzz-Words: Flexibilität in volatilen Umwelten, Agility, Resilienz und persönliches Wachstum.

Einige Coaches versprechen Ihnen das Blaue vom Himmel. In kürzester Zeit. Doch was können Sie tatsächlich erwarten?

In diesem Artikel stellen wir Ihnen zunächst kurz vor, was man grundsätzlich unter Coaching versteht, und präsentieren Ihnen dann vier konkrete Qualitätsmerkmale, anhand derer Sie Ihr ideales Führungscoaching finden können.

Was können Sie von einem „Coaching für Führungskräfte“ erwarten?

Folgende Definition stammt vom Deutschen Bundesverband für Coaching (DBVC e.V.):

[Führungs-]Coaching ist die professionelle Beratung, Begleitung und Unterstützung von Personen mit Führungs- / Steuerungsfunktionen. Zielsetzung von Coaching ist die Weiterentwicklung von individuellen oder kollektiven Lern- und Leistungsprozessen bzgl. primär beruflicher Anliegen.

Das heißt konkret: Ein Coaching für Führungskräfte kann eine oder mehrere Sitzungen umfassen. Im Normalfall bearbeitet ein Coach dabei zusammen mit Ihnen praktische Anliegen aus Ihrem Führungsalltag, zum Beispiel arbeitsbedingte Herausforderungen, Konflikte oder Ihre Persönlichkeitsentwicklung. Dabei wendet der Coach bestimmte Tools und Methoden an, um Ihnen zu einem persönlichen Weiterkommen zu verhelfen.

Woran erkennen Sie ein effektives Führungscoaching?

An den folgenden 4 Qualitätsmerkmalen können Sie erkennen, welches Führungskräftecoaching Ihren Ansprüchen gerecht wird. Zu jedem Qualitätsmerkmal empfehlen wir einen einfachen Self-Check, mit dem Sie Ihren Coach bei der ersten Sitzung (unbemerkt) auf die Probe stellen können und bereits nach einer Sitzung wissen, ob der Coach gut genug ist, um mit ihm intensiv weiterzuarbeiten.

Kriterium Nr. 1: Professionalität

Schauen Sie zunächst auf den Gesamtprozess des Führungskräftecoachings. Können Sie beobachten, dass die Sitzung einer Methodik folgt? Hat diese Methodik zumindest ansatzweise einen wissenschaftlichen Bezug?

Eine wissenschaftlich-fundierte Methodik ist ein wichtiges Qualitätsmerkmal. Das hat folgenden Hintergrund: Der Titel „Coach“ ist eine nicht-geschützte Bezeichnung. Das bedeutet, dass sich jeder Mensch ohne weiteres „Coach“ nennen und unter diesem Namen Dienstleistungen anbieten darf. Das Ergebnis: Intransparenz und große Qualitätsunterschiede.

Was zunächst wie eine interessante Coaching-Methode klingt, könnte eine völlig ineffektive oder gar destruktive Herangehensweise sein. Als Laie können das nur schwer beurteilen. Das Problem ist nämlich, dass ein Mensch als „Coach“ gleichzeitig eine Autorität darstellt, der Sie unbewusst Vertrauen schenken. Das Risiko besteht, dass Sie eine Menge Geld für etwas ausgeben, das sich im ersten Moment vielleicht gut anfühlt, Ihnen langfristig aber kein bisschen weiterhilft oder Ihre Situation sogar verkompliziert. Deshalb unser Tipp: Schenken Sie Ihrem Coach kein blindes Vertrauen, sondern fordern Sie wissenschaftlich-fundierte Methodik. Damit ist die Wahrscheinlichkeit viel höher, dass das Coaching langfristig wirksam ist.

So checken Sie die Professionalität der Methode:

– Fragen Sie nach einem Standard-Thema, zum Beispiel dem Umgang mit Konflikten oder Tipps gegen Lampenfieber. Beobachten Sie genau, wie Ihr Coach das Thema methodisch angeht. Stellt er ihnen nur eine oder mehrere Sichtweisen vor? Nimmt er Bezüge zu bekannten Theorien oder Büchern?

– Beobachten Sie genau, ob Ihr Coach in seiner Erläuterung auf aktuelle psychologische oder soziologische Modelle bezieht. Ein No-Go ist, wenn der Coach ausschließlich über persönliche Erfahrungen, die eigene Meinung oder von einem alten Schinken, wie Freud und Co., erzählt. In dem Fall sollten Sie unbedingt nachhaken, um sicherzustellen, dass Ihr Coach den aktuellen Stand der Forschung überhaupt kennt. Wenn nicht, dann wissen Sie, was Sie tun sollten: einen anderen Coach suchen!

Kriterium Nr. 2: Flexibilität

Eine effektive Coaching-Sitzung darf nicht nach Schema-F verlaufen. Einem guten Coach muss es gelingen, mit Ihnen in Ihre Lebenswirklichkeit einzusteigen und Ihre individuellen Herausforderungen ganz konkret zu erforschen und zu bearbeiten. Nur durch diese Flexibilität bekommt das Coaching einen praktischen Wert: Sie verändern Ihren Führungsalltag. Deshalb unser Tipp: Bestehen Sie im Coaching auf die konkrete Auseinandersetzung mit Ihren alltäglichen Herausforderungen. Erheben Sie Anspruch auf praktische Relevanz. Manchen Coaches ziehen einfach ihr 0-8-15-Programm ab und gehen nicht oder nur teilweise auf Ihre Anliegen ein.

So checken Sie die Flexibilität Ihres Coaches:

– Sprechen Sie Ihren Coach wieder auf ein abstraktes Führungsthema (Teams, Motivation, Wirkung, etc.) an. Dann können Sie beobachten, ob der Coach die Brücke zu Ihrem Alltag schlägt.

– Stellen Sie sicher, dass Ihr Gegenüber von der Theorie immer wieder in die Praxis zurückkehrt und Sie nicht eher gehen lässt, bevor Sie nicht eine Liste konkreter Handlungsschritte formuliert haben.

Kriterium Nr. 3: Kritisches Feedback

Jeder von uns hat sie, die „blinden Flecken“: unvorteilhafte Verhaltensmuster, derer wir uns selbst nicht bewusst sind. Um diese blinden Flecken zu erkennen und bearbeiten, sind wir auf das Feedback eines guten Beobachters angewiesen. Ihnen Rückmeldung zu Ihrem eigenen Verhalten zu geben, ist eine wichtige Aufgabe des Coaches. Dazu muss ein Coach nicht nur eine Gabe zur aufmerksamen Beobachtung mitbringen, sondern auch den Mut, Ihnen seine Beobachtungen mitzuteilen. Dieser Prozess des „Spiegelns“ ist essentiell wichtig für Sie, um Ihr persönliches Wachstumspotenzial zu erkennen und sich an Ihren kritischsten Punkten weiterzuentwickeln. Deshalb unser Tipp: Fordern Sie kritisches Feedback!

So checken Sie die Qualität von Feedback:

– Achten Sie zunächst darauf, ob der Coach Ihnen von sich aus Rückmeldung gibt. Das Feedback sollte sich auf Aussagen oder Verhaltensweisen beziehen, die im Raum stattgefunden haben. Sehr wirkungsvoll kann Feedback über eine Video- oder Audioaufnahme sein, die Sie gemeinsam analysieren.

– Falls der Coach Ihnen nicht von sich aus Feedback gibt, fragen Sie sie*ihn aktiv danach. Geben Sie ihr*ihm Zeit, eine Rückmeldung zu formulieren.

– Dann achten Sie darauf, ob es dem Coach gelingt, konkrete Verhaltensweisen anzusprechen, zum Beispiel eine bestimmte Aussage Ihrerseits. Erkennt der Coach das Wachstumspotenzial in dieser Verhaltensweise und leitet sie*er Sie an, es selbst zu erkennen? Dabei gilt: Ein Coach, der Sie nur lobt und in Watte packt, ist Ihnen langfristig keine Hilfe.

– Viele Coachees machen leider den Fehler, dass sie bei „netten“ Coaches bleiben, weil diese ihnen ein gutes Gefühl geben. Doch Achtung: Durch das Coaching wollen Sie wachsen – und nicht mit schmeichelndem Feedback überdeckt werden. Natürlich wird der gute Coach Sie aber an einigen Stellen auch loben. Nur rumkritisieren – auch das ist ein Anzeichen eines eher unvorteilhaften Führungscoachings.

Kriterium Nr. 4: Empowerment

Ein Coach ist immer in einer gewissen Machtposition: Er kennt die Tools. Sie profitieren von ihr*ihm. Es gibt Coaches, die diese Machtposition – bewusst oder unbewusst – ausnutzen und Sie abhängig machen wollen. Deshalb ist Empowerment ein wichtiges Qualitätsmerkmal. Bei aller Ehrlichkeit und aller Kritik sollte ein Coach immer danach streben, Sie als eigenverantwortliches Individuum zu stärken. Das bedeutet, dass der Coach Ihnen weniger gute Ratschläge gibt, als Mut und Anregung, Ihre Situation selbst zu meistern. Im Coaching für Führungskräfte sollte es vor Allem um Ihre Ressourcen gehen, also die Eigenschaften und Faktoren, die Sie als selbstständige Person stärken. Auch in Schwächen und Herausforderungen können Ressourcen gefunden werden. Diese Perspektive spricht für ein hochwertiges Führungscoaching auf Augenhöhe. Ein guter Coach ist nämlich der, der sich bald entbehrlich macht.

So checken Sie den Fokus Ihres Coaches:

– Präsentieren Sie eine einfache Herausforderung aus Ihrem Führungsalltag und beobachten Sie, wie Ihr Coach das Problem bearbeitet.

– Achten Sie darauf, ob der Coach die Verantwortung bei Ihnen lässt und Sie als Individuum stärkt. Ein No-Go ist es, Ihnen einfache Lösungen zu präsentieren und sich selbst als allwissenden Ratgeber dazustellen. Genauso kritisch ist ein durchweg negativer Fokus auf Ihre Schwächen und Probleme. Bei beidem werden Sie als Individuum klein und hilflos gemacht. Das führt geradewegs in die Abhängigkeit. Ein gutes Zeichen hingegen ist es, wenn der Coach Ihnen Raum gibt, Ihre eigenen Stärken zu entdecken und selbst Lösungen zu finden und gemeinsam diese zu verfeinern.

Wenn Sie also das nächste Mal ein Führungskräftecoaching in Anspruch nehmen, rufen Sie sich besagte vier Qualitätsmerkmale ins Gedächtnis und checken Sie kurz und unauffällig, ob Ihnen Ihr Gegenüber tatsächlich einen Mehrwert bietet. Seien auch Sie ein ganz aufmerksamer Beobachter – und finden Sie den für Sie idealen Coach, mit dem Sie gerne zusammenarbeiten!

Autoren: Johannes Stark und Wladislaw Jachtchenko / Argumentorik-Akademie

Der Co-Autor Johannes Stark hat das Making-Of zu diesem Blog-Beitrag hier veröffentlicht.

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