Mitarbeiterführung und ihre Fallstricke: So führen Sie schwierige Mitarbeiter

von Argumentorik, 1. August 2018

Die kennen Sie bestimmt: Die Theorie der Teamrollen. Sie besagt, dass jeder Mitarbeiter individuelle Potenziale hat – zum Beispiel Expertenwissen, soziale Kompetenzen oder Zielstrebigkeit. Als Teamleiter erkennen Sie in jedem das Beste, werfen es in Ihren Zauberkessel und erschaffen so das Wundermittel: Teamwork.

Die Realität sieht meist anders aus. Mitarbeiter tragen im Normalfall kein Etikett, auf dem ihre Potenziale angekündigt werden. Ganz im Gegenteil: Der Experte ist womöglich ein verbissener Nein-Sager, der alles kritisch sieht. Der Soziale mag ein Schön-Redner sein, der nichts wirklich ernst nimmt. Der Zielstrebige ist vordergründig ein Besserwisser, der nur seine Lösungen akzeptiert.

Als Teamleiter müssen Sie mit jedem Einzelnen einen produktiven Umgang finden. Die Frage ist: Wie viel Zeit investieren Sie, um die Potenziale jedes Mitarbeiters zu erarbeiten? Und wo sollten Sie die Grenzen ihrer Verantwortung ziehen?

Statt diese Fragen im Einzelfall immer wieder neu zu beantworten, empfehlen wir Ihnen zum Mitarbeiter Führen die folgenden vier Prinzipien zu beachten, abgeleitet aus der Theorie der transformationalen Mitarbeiterführung.

Mitarbeiterführung #1: Individuelle Wertschätzung geben

Na klar, das haben Sie schon mal gehört. Aber was bedeutet Wertschätzung wirklich? Reicht da ein gelegentliches „Dankeschön“ und „Gutgemacht“? Nein, denn das sind nur höfliche Floskeln – das wissen Sie genauso gut, wie Ihre Mitarbeiter.

Wertschätzung hingegen bedeutet, dass Sie jedem Mitarbeiter Ihre Aufmerksamkeit schenken. Sie nehmen sich Zeit, jeden Mitarbeiter kennenzulernen. Sie nehmen sich Zeit, zuzuhören. Sie nehmen sich Zeit, ehrliches und konkretes Feedback zu geben.

Wie wirkt das in der Mitarbeiter-Führung?

Zunächst gilt: Jeder Mensch will wertgeschätzt werden. Das gilt auch für Ihre Mitarbeiter. Vor Allem im Umgang mit Störern, Miesepetern und Gewohnheits-Jammerern kann individuelle Wertschätzung Wunder wirken. Mit diesem Störverhalten bringen Mitarbeiter manchmal einfach Ihr Bedürfnis nach Aufmerksamkeit zum Ausdruck. Ihre Mitarbeiter wollen gesehen und verstanden werden. Sobald Sie diesen Mitarbeitern Ihre Aufmerksamkeit geben, lösen sich viele Probleme ganz von allein.

Mitarbeiterführung #2: Herausforderungen schaffen

Achtung! Verwechseln Sie „Herausforderungen schaffen“ nicht mit „Druck machen“. Beides bedeutet, dass der Work-Load und auch Ihre Erwartungen steigen. Also, wo liegt der entscheidende Unterschied?

Herausforderungen gehen immer mit Eigenverantwortung einher. Ein Problem wird für mich zur Herausforderung, wenn ich die Freiheit bekomme, einen eigenen Lösungsweg zu finden. Geben Sie Ihren Team-Mitgliedern die Freiheit, selber zu denken. Verzichten Sie (wenn möglich) auf genaue Instruktionen. Bieten Sie stattdessen Ihre Unterstützung an.

Wie wirkt das in der Mitarbeiter-Führung?

Mitarbeiter, die zu eigenverantwortlichem Arbeiten herausgefordert werden, arbeiten nachweislich produktiver und kreativer. Und auch Im Fall “schwierige Mitarbeiter führen”, kann es Wunder wirken, individuelle Herausforderungen zu schaffen. Besserwisser, zum Beispiel, fühlen sich oft einfach unterfordert. Mit ihren besserwisserischen Kommentaren befriedigen diese Mitarbeiter das Bedürfnis, ihre Kompetenzen unter Beweis stellen. Genau das ermöglichen Sie diesen Menschen auf konstruktive Weise, wenn Sie sie herausfordern, schwierige Aufgaben eigenverantwortlich zu lösen.

Mitarbeiterführung #3: Sinn vermitteln

Die Studienlage ist eindeutig: Sinn in der Arbeit zu finden ist ein Schlüssel-Motivator. In der Praxis stehen Führungskräfte jedoch oft vor der Frage: Wie werden Ziele und Anreize zu sinnstiftenden Visionen?

Dazu ein paar grundlegende Gedanken: Ziele und Anreize werden meist durch Daten und Fakten ausgedrückt, während echte Visionen hauptsächlich Emotionen – Vorfreude, Stolz, Begeisterung – vermitteln. Um diesen Effekt zu erzielen, sollten Visionen anders formuliert werden. Versuchen Sie nicht, zu beweisen, dass eine Vision in absehbarer Zeit realisierbar ist. Ganz im Gegenteil: Visionen können Ideale sein, die vielleicht nie erreicht werden, aber für die es sich zu kämpfen lohnt.

Wie wirkt das in der Mitarbeiterführung?

Sinn in der Arbeit zu finden, schadet keinem Mitarbeiter. Manche Mitarbeiter sind in der Hinsicht natürlich anspruchsloser. Andere Mitarbeiter wiederum haben ein starkes Bedürfnis, Sinn zu erkennen, tun sich aber gleichzeitig schwer, selbst einen zu finden. Ohne die Inspiration Ihrerseits, entwickeln diese Mitarbeiter oft eine Unzufriedenheit mit den aktuellen Arbeitsbedingungen. Anfängliche Leidenschaft verwandelt sich dann schnell in Gleichgültigkeit – bis hin zur inneren Kündigung. Gelingt es Ihnen, diesen Mitarbeitern den Sinn Ihrer Arbeit zu vermitteln, verändert sich deren Verhalten oft zum Positiven.

Mitarbeiterführung #4: Integrität leben

Wertschätzung geben, Herausforderung schaffen und Sinn vermitteln – das sind drei Tools, die Sie zur effektiven Mitarbeiter-Führung nutzen können. Das vierte Prinzip betrifft Sie, als Person: Seien Sie ein Vorbild.

Achtung, auch das wird verwechselt. Vorbild zu sein heißt nicht, keine Fehler zu machen. Ganz im Gegenteil. Jeder macht Fehler – ohne diese gäbe es keinen Fortschritt. Vorbildsein heißt, zu seinen Fehlern zu stehen. Vorbildsein heißt, zu seinen Prinzipien zu stehen und verlässlich zu sein. Der Schlüssel dazu heißt Integrität. Als Führungskraft Sind Sie selbst integer all Ihrem Handeln.

Wie wirkt das in der Mitarbeiterführung?

Mitarbeiter haben unterschiedliche Gründe für destruktives Verhalten. In den meisten Fällen können Sie schwierige Mitarbeiter führen, indem Sie ihnen gezielte Aufmerksamkeit schenken, sie herausfordern oder ihnen Visionen vermitteln. Aber seien Sie sich auch bewusst: In manchen Fällen haben Sie keinen Einfluss auf das destruktive Verhalten eines Mitarbeiters. Dann heißt es: Schützen Sie Ihr Team, Ihren gemeinsamen Erfolg, aber vor Allem sich selbst. Das tun Sie, indem Sie Integrität leben. Sie behandeln jeden Mitarbeiter fair und halten sich selbst konsequent an Ihre eigenen Vorgaben – dann kann Ihnen keiner etwas anhaben.

Autoren: Wladislaw Jachtchenko/Johannes Stark

Der Co-Autor Johannes Stark hat das Making-Of zu diesem Blog-Beitrag hier veröffentlicht.

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