Lampenfieber: 10 beste Tipps gegen Nervosität | Wladislaw Jachtchenko

Lampenfieber: 10 beste Tipps gegen Nervosität

von Argumentorik, 5. September 2019

 Transkription der Folge 33 aus dem Podcast “MENSCHEN ÜBERZEUGEN
 

Du kannst Dir sicher vorstellen, dass gerade beim Thema “Sprechen vor Menschen”, insbesondere Sprechen vor vielen Menschen, Redner nervös sind – selbst professionelle Speaker. Man sieht ihnen die Nervosität an, da zittern auch den besten die Finger. Was kann man dagegen tun?

In diesem Artikel gibt Dir der Rhetorik-Coach Wlad Jachtchenko 10 praktische Tipps. 10 Tipps, denn es ist ein kompaktes Thema, aber auch ein subjektives.

Lampenfieber: Individuell für jeden Persönlichkeitstyp

Du wirst gleich sehen, dass in den 10 Tipps, die ich Dir vorstelle, nicht alle Tipps zu Dir passen. Lampenfieber ist ja eine Angst – eine Angst vor Ablehnung, eine Angst sich zu blamieren und in der Psychologie gibt es nie eine richtige Lösung, die für jeden Menschen passt.

Es gibt unterschiedliche Persönlichkeitstypen. Insofern sind diese 10 Tipps gegen Lampenfieber und gegen Nervosität Empfehlungen. Und Du suchst Dir die passenden für Dich aus.

Mit diesen Techniken kannst Du Dein Lampenfieber substanziell reduzieren – wahrscheinlich sogar um 27,3 Prozent. Also steigen wir ein: Lampenfieber-Tipps für mehr Souveränität!

Inhaltsverzeichnis: Das erwartet Dich

>>> INFOGRAFIK: 10 beste Tipps gegen Lampenfieber

Tipp #1: Vorbereitungszeit einplanen

Tipp #2: Den Vortrag üben

Tipp #3: Das Publikum kennen

Tipp #4: Den Ort besichtigen 

Tipp #5: Redezeit – nur so lange, wie nötig

Tipp #6: Die Technik kontrollieren

Tipp #7: Hübsche Kleidung anziehen

Tipp #8: Notizen machen

Tipp #9: Erster Kontakt – Smalltalk führen

Tipp #10: Den ersten Satz einprägen

Tipp Nr. 1 gegen Lampenfieber: Vorbereitungszeit einplanen

Sehr häufig liegt die Ursache darin, dass ich nicht genau weiß, was ich als Nächstes sage und weil ich nicht weiß, was ich als Nächstes sage, bin ich nervös. Ich habe Angst vor einem Blackout, denn ich weiß nicht, wie es mit dem Inhalt weitergeht und weil ich eben nicht weiß, wie es mit dem Inhalt weitergeht, bekomme ich Lampenfieber und gerate ins Stottern.

Daher hier eine Grundregel zum Thema Nervosität, gerade für Einsteiger, die vor vielen Menschen oder unbekannten Menschen sprechen müssen.

Gerade für Euch habe ich einen ganz grobe Richtschnur:

Jede Minute Deines Referats oder Deines Vortrags – egal ob im Studium, vor Kollegen oder vor Kunden – braucht einen Tag Vorbereitungszeit.

Das heißt also: fünf Minuten Referat – fünf Tage Vorbereitung; 15 Minuten Referat – 15 Tage Vorbereitung. Bevor ich jetzt ganz viel Kritik bekomme: natürlich nicht den ganzen Tag!

Mit einem Tag Vorbereitung meine ich nicht, dass Du wirklich 24 Stunden nur an diesem Thema sitzt und daran arbeitest. Es sollte so sein, dass du Dich am Tag mit diesem Thema zumindest ein bisschen beschäftigten solltest. Sagen wir 15 Minuten oder 30 Minuten, wenn Du Zeit hast. Sagen wir sogar eine Stunde, und das hat einen schönen Effekt. Wenn Du z.B. 50 Minuten Vortrag hältst, zwei Wochen vorher anfängst, dann beschäftigt sich Dein Gehirn 15 Tage mit diesem Thema.

Und dadurch, dass Du Dich damit beschäftigst, wirst Du mit diesem Thema immer vertrauter. Diese Vertrautheit mit dem Inhalt gibt Dir natürlich auch die Vertrautheit beim Präsentieren.

Andersherum, wenn Du plötzlich ein Thema bekommst und Du kannst mir glauben, als Coach mache ich diese Übung sehr häufig: Ich gebe den Menschen einfach so ein Thema und aus dem Stegreif sollen sie darüber sprechen. Dann sind die Leute sehr unsicher und sehr nervös. Die Körpersprache hakt, die Stimme wackelt – und das ist natürlich nicht schön.

Das heißt also: Erster Lampenfieber-Tipp: Vorbereitungszeit einplanen. Die Anzahl der Minuten Deiner Präsentation sind die Anzahl der Tage, die Du Dich mit dem Thema beschäftigst. Und wenn es auch nur nur 15 Minuten am Tag sind.

Tipp Nr. 2 gegen Lampenfieber: Den Vortrag üben

Das ist natürlich ganz wichtig: Du solltest die Präsentation oder den Vortrag mindestens zweimal vorsprechen und dabei die Zeit stoppen.

Warum ist Proben so eine gute Idee? Weil Du dabei erkennst, wo Wörter und wo die Übergänge fehlen, wo Dir bestimmte Inhalte oder Beispiele fehlen. Und obwohl diesen Tipp fast jeder kennt – jeder Musiker weiß, vor seinem Auftritt muss er proben, jeder Sportler weiß, er muss trainieren – aber vor einem Vortrag üben tatsächlich die wenigsten Menschen.

Wenn ich eine anonyme Umfrage in meinen Seminaren mache, dann sagen lediglich 20 Prozent meiner Teilnehmer, dass sie wirklich einmal laut die Präsentation durchsprechen. Das ist natürlich zu wenig. Das bedeutet, wenn Du einmal probst, bist Du schon besser als 80 Prozent der Leute! Und das ist doch schon einmal was: Wenn Du zweimal probst, dann gehörst Du bereits zur absoluten Rhetorik-Elite!

Es ist bei mir selber so. Ich bin professioneller Redner. Ich verdiene mein Geld damit, dass ich zu einem Thema, z.B. Effizienz, “Change Management” oder “Psychologie der Überzeugung”, überzeugend spreche. Ich kenne meinen Vortrag auswendig und dennoch übe ich den Vortrag kurz bevor es losgeht, um in Stimmung zu kommen und die richtigen Worte zu finden.

Und wenn das ein Profi macht, dann sollte das ein Einsteiger natürlich erst recht machen!

Tipp Nr. 3 gegen Lampenfieber: Das Publikum kennen

Das heißt: Du solltest vorher erfahren, wer und wie viele Menschen zum Vortrag kommen. Viele Menschen sind nervös, wenn sie nicht genau wissen, wer im Meeting sitzt. Ist der Chef dabei? Gibt es einen Kunden? Gibt es Interessenten? Hatten wir mit ihnen schon Kontak?

Wenn man die Unsicherheit dadurch reduzieren kann, dass wir diese Informationen zum Beispiel von jemandem einholen können, dann können wir uns die Situation vor dem geistigen Auge schon vorstellen. Und deswegen fühlen wir uns sofort ein bisschen sicherer.

Hinweis: Du möchtest mehr zu Rhetorik erfahren? Dann schau Dir die Video-Lektion “Der einfachste Anti-Lampenfieber-Tipp” aus dem Online-Kurs “Rhetorik: Selbstbewusst kommunizieren und überzeugen” an:

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Tipp Nr. 4 gegen Lampenfieber: Den Ort vorab besichtigen

Und das ist auf jeden Fall ein ganz leichter Tipp gegen Lampenfieber: Vorher den Raum besichtigen. Wenn möglich auch dort proben.

Was machen Schwimmer wie Michael Phelps vor einer Olympiade? Vor einem Wettbewerb springt er ins Wasserbecken. Usain Bolt läuft sich ein. Alle Profis versuchen den Raum oder den Ort zu besichtigen, wo sie performen müssen.

Ich kann mich zum Beispiel erinnern, als ich früher noch Badminton gespielt habe und das ganz regelmäßig und halbwegs gut, da war ich immer vorher in der Halle, um mich an diese schon vorab etwas zu gewöhnen. Beim Badminton musst Du häufig nach oben schauen, um den Ball zu treffen. Die Decken sehen in jeder Halle anders aus. Da ist sie grau, dort gibt es Licht von rechts, hier gibt es irgendwelche Basketballkörbe.

Und das Beste, was Du machen kannst, ist, den Ort, wo Du sprichst, zu besichtigen. Den Raum zu prüfen, um Dich daran zu gewöhnen. Wo sind Türe, wo Fenster, ganz banale Dinge. Je mehr Informationen Du hast, desto sicherer fühlst Du Dich.

Tipp Nr. 5 gegen Lampenfieber: Die Redezeit – nur so lange, wie nötig

Bringe in Erfahrung, wie lange Du sprechen darfst. Du solltest natürlich auch selbst auf die Zeit achten, Zeitpuffer einplanen. Denn viele Leute werden nervös, wenn sie merken, dass die Zeit bald abläuft und sie den Vortrag nie geübt haben. Sie wissen nicht, wie lange er dauert. Und plötzlich sprechen sie statt 15 Minuten 30 Minuten.

Du weißt sicher selber, wie ärgerlich es ist, dann fangen die Leute an ihre Sachen zusammenzupacken, holen ihre Handys raus, sind gelangweilt. Weil Du eben länger sprichst, als Du solltest und das macht Dich wiederum nervös.

Besser ist es wie ein Profi aufzutreten, der seine Zeit genau im Blick hat und sogar drei bis fünf Minuten vor Ablauf fertig wird. Also angenommen Deine Präsentation soll 25 Minuten dauern, Du hörst aber drei bis fünf Minuten vorher auf, da Du alles gesagt hast, was Du sagen wolltest.

Das ist ein schönes Gefühl, denn das Publikum wird nicht nervös zum Ende hin, es macht Dich durch seine Nervosität nicht nervös und das ist das Beste, was Dir passieren kann.

Tipp Nr. 6 gegen Lampenfieber: Die Technik kontrollieren

Technik heißt: Mikro checken, wenn es eins gibt. Laptop checken, Beamer, Anschlüsse, HDMI, VGA – all das natürlich vorher in Erfahrung bringen und testen.

Ich habe einige Klienten, denen ich rhetorisch geholfen habe, die dann aber bei der Technik einen kleinen Fehler gemacht haben. Sie hatten ihren Adapter nicht dabei, oder oder oder. Und dann gab es natürlich das Problem, dass man ohne der Präsentation natürlich nicht so gut war, wie mit ihr.

Insofern ist das ein ganz einfacher Tipp. Am besten bist Du eine Stunde vorher da und schließt nochmal alles an, dann weißt Du ganz genau, wie und ob alles funktioniert. Die Boxen funktionieren, der Beamer funktioniert, die Flipcharts sind da, Stifte sind da: Dann reduziert das auch Dein Lampenfieber – und ist es nicht genau das, was wir möchten?

Tipp Nr. 7 gegen Lampenfieber: Hübsche Kleidung anziehen

Wenn Du Dich hübsch anziehst, dann ist das einfach ein Gefühl der Sicherheit: Du fühlst Dich schön, fühlst Dich toll, energetisch.

Das heißt also: Mach Dir Gedanken über Deine Kleidung – selbst wenn Du ein Mann bist und ich sage das deswegen, weil Männer sich tendenziell weniger Gedanken um Kleidung machen als Frauen. Überlege Dir genau, worin Du Dich gut fühlst. Wo drin siehst Du souverän aus? Denn auch Kleidung gibt Dir natürlich das notwendige Quäntchen Sicherheit.

Tipp Nr. 8 gegen Lampenfieber: Notizen machen

Wenn du Deinen Vortrag nicht auswendig kennst oder wenn Du nicht genau weißt, welchen Punkt Du als nächstes bringen solltest, dann solltest Du Karteikarten nutzen.

Du solltest Dir eine Struktur überlegen. Diese deutlich auf die Karteikarte schreiben, mit Farben und Symbolen arbeiten. Gegebenfalls nummerieren und nur einseitig beschreiben, damit Du beim Vortrag nicht durcheinander kommst.

Notizen geben Dir Sicherheit, das wissen auch Politiker. Selbst Politiker im Bundestag nutzen Notizen. Und wenn das Bundestagabgeordnete dürfen, dann darfst Du das natürlich auch.

Tipp Nr. 9 gegen Lampenfieber: Erster Kontakt – Smalltalk führen

Der erste Kontakt mit Deinem Publikum: Damit meine ich vor allem, dass Du einen Smalltalk mit einigen Teilnehmern halten solltest. Starte ruhig mit einem kleinen Smalltalk mit Leuten in Deiner Nähe.

Du sitzt ja meistens irgendwo in einer Runde und bist vielleicht nicht sofort morgens um 8 Uhr dran. Und gerade wenn Du in einen Raum reingehst oder mit Kunden dort sitzt, plaudere ein bisschen. Knüpfe Kontakte mit zwei sympathischen Menschen, mit ein paar sympathischen Zuhörern und Teilnehmern vor Deiner Rede.

Und diese schaust Du dann als Bezugspersonen während Deines Vortrags an. Der Kontakt vorab macht es viel einfacher, diese Menschen anzuschauen. Die kennst Du, die haben gelächelt, Du hast mit ihnen ein bisschen Smalltalk gehabt, z.B. über die Anreise, über das Wetter, über das Tennismatch – was auch immer.

Denn es ist viel einfacher, Menschen anzusprechen oder anzuschauen, mit denen Du schon vorher im Gespräch warst. Und das ist Dein Einstieg, so schaffst Du den Blickkontakt zum Publikum.

Und natürlich solltest Du nicht nur diese zwei, drei Leute angucken, das fällt auf, sondern Du solltest natürlich mit Deinem Blick früher oder später alle in Deinen Vortrag einbeziehen. Zumindest am Anfang, gerade in den anfänglichen Sekunden und in den ersten 1 1/2 Minuten Deines Vortrags, sind das die Leute, die Dir Sicherheit geben.

Tipp Nr. 10 gegen Lampenfieber: Den ersten Satz einprägen

Sehr häufig sind unsichere Redner das von Beginn an und dieses von Beginn an wird dadurch deutlich, dass sie nicht genau wissen, welche Wörter sie für ihre Begrüßung nutzen sollten. Wem danken sie für die Einladung, was genau sagen sie in den ersten drei Sätzen?

Mein Tipp gegen Lampenfieber lautet:

Präge Dir für einen flüssigen Einstieg die ersten drei Sätze ein oder am besten die Begrüßung plus drei inhaltliche Sätze aus Deinem Vortrag!

Dadurch erfährst Du absolute Sicherheit bei dem, was Du am Anfang sagst. Und gerade am Anfang sind die Menschen am nervösesten. Weil das so ist, gibt es in der Psychologie den Begriff des Gewöhnungseffektes, das kennst Du sicherlich auch.

Je länger Du redest, je länger Du auf der Bühne bist, je länger Du sprichst, desto mehr gewöhnst Du Dich ans Publikum. Du gewöhnst Dich an die Bühne und wirst immer lockerer. Gerade die ersten Sätze sind die, wo Du nervös bist.

Wenn Du also ein Lampenfieberkandidat bist, dann präge Dir die Begrüßung und die ersten drei Sätze fest ein. Weiche davon nicht ab. Mache nichts spontanes. Wenn Du schon fortgeschritten bist, präge Dir auf jeden Fall die Begrüßung und die ersten drei Sätze ein, wie Du sie vorbereitet hast und dann kannst Du ja ein bisschen spontaner und flexibler sein.

10 beste Tipps gegen Lampenfieber: Zusammenfassung

Das waren also die 10 Tipps gegen Lampenfieber: von der Vorbereitungszeit bis zu den ersten drei Sätzen. Wichtig beim Thema Lampenfieber ist, dass Du selber weißt, welchen Tipp oder welche Tipps Du davon persönlich brauchst!

Lampenfieber ist eine subjektive Geschichte, bei der jeder etwas anderes benötigt. Deswegen sagte ich auch am Anfang, dass es sich um Empfehlungen handelt.

Lampenfieber: 10 beste Tipps gegen Nervosität auf einen Blick

Übrigens: Da das Thema Lampenfieber so spannend und immer relevant für die meisten Menschen ist, die andere Menschen, vor allem Gruppen von Menschen, überzeugen möchten, mache ich einen zweiten Artikel zu dem Thema: “Lampenfieber psychologisch besiegen – raus aus der Komfortzone“. Sei also gespannt.

Autor: Wlad Jachtchenko

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