Die 10-Wochen-Challenge gegen kleine Sünden

von Argumentorik, 1. März 2017

Nach dem katholischen Kalender begann vorgestern die Fastenzeit. Früher war es üblich, zu diesem Anlass 10 Wochen lang auf Luxusgüter, wie Fleisch, zu verzichten. Heute klingt der Brauch für viele Menschen befremdlich. Warum sich selbst einschränken?

Gleichzeitig hat jeder von uns mindestens eine Angewohnheit, auf die er gut verzichten könnte: Alkohol, Zigaretten, Fernsehen, zu viel Zucker, Fastfood, Handyspiele…

Das blöde ist: Diese Angewohnheiten sind verdammt angenehm. Ein Leben lang darauf zu verzichten, das wollen Sie nicht. Müssen Sie auch nicht!

Beim Fasten geht es nicht um ein Leben in Abstinenz. Es geht darum, die kleinen unvernünftigen Angewohnheiten, die wir alle haben, wieder bewusst wahrzunehmen, wieder unter Kontrolle zu haben, wieder zu genießen. Das Wundermittel dafür: vorübergehender Verzicht. Sie glauben uns nicht? Probieren Sie’s aus!

Die Frage ist: Wie? Und wie lang?

Wir haben da ein paar Anregungen für Sie:

1. Wie schaffen Sie es, „nein“ zu sagen?

Das erste, was wir über unvernünftige Angewohnheiten wissen müssen, wenn wir auf sie verzichten wollen: Wir handeln nie ohne Grund. Es gibt immer einen Auslöser. Der Auslöser ist der Schlüssel zum Verzicht!

Es gibt zwei Arten von Handlungen und zwei Arten von Auslösern.

Die impulsive Handlung: Obwohl Sie es nicht geplant hatten, werden Sie zu einer Handlung angestiftet. Verantwortlich sind äußere Reize: Menschen, Ereignisse, Angebote. Oder innere Reize, emotionale Zustände. Ein Freund lädt Sie auf eine Zigarette ein, Cocktails kosten zur Happy Hour nur die Hälfte, Sie haben Stress mit Ihrem Partner und plötzlich Lust auf was Süßes. Wie gehen Sie damit um?

Bereiten Sie sich vor! Erkennen Sie Ihre 3 häufigsten Auslöser. Sie wollen auf Alkohol verzichten. Fragen Sie sich: Wann wird es Ihnen am schwersten Fallen, „nein“ zu sagen? Freunde wollen mit Ihnen anstoßen, Freibier in der Firma, Happy Hour im Club. Notieren Sie sich Ihre 3 Auslöser. Und ganz wichtig: Überlegen Sie sich konkrete Antworten. Wie werden Sie reagieren? Wie werden Sie dem Auslöser eine Absage erteilen?

Die habituierte Handlung: Manche Gewohnheiten gehören zu unserem Tagesablauf, wie das Aufstehen und das Schlafengehen. Jeden Morgen vor der Arbeit eine Zigarette, eine Cola in der Mittagspause, Fernseher an beim Heimkommen. Das Merkmal dieser Handlungen: Sie sind an bestimmte Situationen gebunden. Wie können Sie da widerstehen?

Bereiten Sie sich vor! Finden Sie die typischsten 3 Auslöser-Situationen. Sie wollen auf das Rauchen verzichten. Ja, wann rauchen Sie denn? In den Pausen, auf Partys, beim Warten auf den Bus? Notieren Sie sich die Top 3 Situationen, die Sie zum Rauchen nutzen. Und wieder: Überlegen Sie sich konkrete Alternativen. Was machen Sie jetzt stattdessen in Ihren Pausen? Wie wär’s mit einem Spaziergang oder einem Tee?

2. Wie oft müssen Sie „nein“ sagen?

Was wir nicht wollen: Dass Sie Ihr Leben lang verzichten. Auf keinen Fall! Warum auch?

Es geht um einen begrenzten Zeitraum: 10 Wochen. Sie können auch länger, aber setzten Sie sich nicht unter Druck!

Unser zweites Zugeständnis: Sie dürfen Ausnahmen machen! Die Party des Jahres – und Sie müssen auf Alkohol verzichten? Das wäre doof! Oma hat Kuchen gebacken – und Sie verzichten auf Zucker? Unnötig!

Unsere Challenge ist folgende: Sie dürfen eine Ausnahme machen. Und zwar immer dann, wenn Sie mindestens 10 Mal verzichtet haben. Sie kennen Ihre 3 stärksten Auslöser. 10 Mal müssen Sie bei einem dieser Auslöser widerstehen, dann dürfen Sie sich eine Ausnahme gönnen, wenn Sie denn wirklich wollen. Danach heißt es wieder: mindestens 10 Mal verzichten.

Diese klare Ausnahmeregel ist wichtig. Es werden außergewöhnliche Umstände eintreten. Dann ist es entscheidend, dass Ihr Fasten-Projekt flexibel ist. Lieber machen Sie eine Ausnahme, als dass Sie aufgeben.

Diese Challenge endet für Sie dann am 15.04.2017. Danach ist wieder alles erlaubt!

Übrigens sind auch im katholischen Kalender regelmäßige Ausnahmen eingeplant. Sonntage zählen offiziell nicht zur Fastenzeit. Am Sonntag durften Gläubige essen und trinken, was sie wollten. Ab Montag sollten sie wieder konsequent sein. Scheint, als hätte die Katholische Kirche den „Cheat Day“ erfunden!

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Autor: Johannes Stark


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