Emotionale Kompetenz – Welche Emotionen Sie ausleben oder verdrängen sollten.

von Argumentorik, 17. Oktober 2017

Wenn Menschen über Emotionen sprechen hört, man oft zwei gegensätzliche Überzeugungen: Es sei wichtig, seine Gefühle unter Kontrolle zu haben. Gleichzeitig soll man seine Emotionen nicht unterdrücken, sondern ausleben. Wer im Einzelfall Recht hat, erkennt man erst, wenn man differenziert: Es gibt sinnvolle und unsinnige Emotionen.

Psychologischen Theorien zufolge gibt es 6 Basisemotionen, auf die alle komplexeren Gefühle rückführbar sind: Freude, Angst, Ekel, Ärger, Trauer und Überraschung. Die 6 Basisemotionen sind evolutionär entstanden und tragen zu unserer Überlebensfähigkeit bei. Angst sorgt etwa dafür, dass wir in gefährlichen Situationen vorsichtig sind; Ärger gibt uns Kraft, uns gegen Hindernisse und Einschränkungen durchzusetzen; und Trauer hilft uns zum Beispiel, einen Verlust zu verarbeiten und soziale Unterstützung zu finden.

Wenn Basisemotionen als Reaktion auf ein Ereignis auftreten, sind sie sinnvoll. Sie ermöglichen uns einen adäquaten Umgang mit Herausforderungen des Alltags. Dabei sind sie an eine Situation gebunden und verschwinden, sobald die Herausforderung überwunden ist.

Aus diesen sogenannten primären Emotionen können Sie also viel über Ihre eigenen Reaktionsmuster auf bestimmte Ereignisse lernen und die Reaktion langfristig sogar verändern. So ärgern Sie sich vielleicht morgens, wenn es regnet, aber nach einigen Minuten schon ist der Ärger verflogen. Vielleicht trauern Sie kurz um das zerstörte Display Ihres Smartphones, aber auch das Gefühl vergeht.

Wenn Sie situationsgebundene Emotionen zulassen passiert folgendes: Sie verschwinden bald und treten bei einer ähnlichen Situation wieder auf.

Es gibt jedoch auch Emotionen, auf die das nicht zutrifft. Man nennt Sie sekundäre Emotionen, weil Sie keine direkte Reaktion auf Situationen darstellen, sondern eine Reaktion auf Gefühle und Gedanken. Letzens hatte ich beispielsweise eine Überraschungsparty für eine Freundin geplant. Die Überraschung ist mir leider nicht so gelungen, weshalb ich mich natürlich geärgert habe. Gleichzeitig war ich wütend auf mich selbst, weil ich während der Party keine so gute Laune hatte.

Dieser Ärger war, wie alle negativen sekundären Emotionen, sinnlos: Er verstärkte nur meine negativen Emotionen und Gedanken, auf die er sich bezog, und verhinderte deren automatisches Abklingen. Sekundäre Emotionen sind nicht hilfreich und haben eigentlich gar nichts mit der Situation selbst zu tun, sondern mit unbewussten Regeln, die Ihr Leben bestimmen: „Ich muss immer gut drauf sein.“, „Ich darf keine Angst haben.“, „Ich muss stark bleiben.“ oder „Ich darf keine Emotionen zeigen.“.

Ganz wichtig zu verstehen: Wenn Sie den Selbstanspruch haben, immer gut drauf zu sein, werden Sie bei schlechter Laune nur noch unzufriedener. Der Teufelskreis: weil Sie sich ärgern, ärgern Sie sich noch mehr.

Das alles klingt kompliziert, hat letztendlich zwei einfache Implikationen:

1. Lassen Sie primäre Emotionen zu.

2. Lassen Sie sekundäre Emotionen los.


Wie gehen Sie also vor?

  • Erkennen Sie die Emotion: Freude, Angst, Ekel, Ärger, Trauer oder Überraschung.
  • Als nächstes, suchen Sie nach dem Auslöser:
    • Wenn der Auslöser eine Situation ist, akzeptieren Sie die Emotion. Seien Sie wütend, ängstlich oder traurig. Stellen Sie sich der Situation. Die Emotion wird von selbst vergehen.
    • Wenn die Emotion keine situationellen Auslöser hat, sondern mit gebrochenen Erwartungen zu tun hat, dann lösen Sie sich von den überhöhten Erwartungen und damit von der sekundären Emotion. Lenken Sie sich zum Beispiel mit was Positivem ab, reden Sie mit anderen Menschen, machen Sie etwas Angenehmes und geben Sie der Emotion keinen Raum.

    Auf diese Weise gelingt Ihnen ein kompetenter Umgang mit Ihren Emotionen.

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Autor: Johannes Stark


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