Konstruktiver Umgang mit Konflikten

von Argumentorik, 19. April 2017

Eine Meinungsverschiedenheit unter Kollegen – soll vorkommen. Eine Verhandlung zwischen Geschäftspartnern – unumgänglich. Eine konstruktive Diskussion im Projektteam – äußerst wichtig.

Uneinigkeiten gibt es überall. Mit ihnen gewinnbringend umzugehen ist eine Schlüsselkompetenz und keine leichte Aufgabe. Die sachliche Auseinandersetzung gerät schnell auf eine persönliche Ebene: Kontrahenten fühlen sich angegriffen oder verletzt. Es entsteht ein Streit. Das wollen wir verhindern.

Fünf Grundsätze nach dem Harvard-Modell für einen konstruktiven Umgang mit Konflikten:

1. Unterscheiden Sie zwischen Mensch und Problem.

Hard on the issue, soft on the person.”

– Ein Mensch vertritt eine Position. Setzen Sie diese nicht mit seiner Person gleich. Sie mögen mit einer Aussage oder Forderung nicht einverstanden sein. Sobald Sie jedoch den dahinterstehenden Menschen mit Verachtung strafen, werden Sie Sturheit und Trotz als Antwort erwarten. Selbst wenn Sie eindeutig im Recht sind. Behandeln Sie einen Menschen mit Respekt, während Sie seine Position diskutieren, so erreichen Sie mehr. Ein wichtiger Respektsbeweis: Lassen Sie alle Beteiligten ausreden, hören Sie gut zu und zeigen Sie Verständnis.

2. Unterscheiden Sie zwischen Bedürfnissen und Positionen.

Forderungen werden ausgesprochen. Wahre Interessen bleiben oft ungesagt. Forschen Sie nach und stellen Sie Fragen. Was steckt hinter einer Position? Manchmal beharren Menschen auf bestimmten Bedingungen oder Meinungen, weil Sie grundlegend menschliche Bedürfnisse in Gefahr sehen: Anerkennung – ich will das tun, um mein Gesicht zu wahren; Sicherheit – ich will kein Risiko eingehen; Kontrolle – ich will am längeren Hebel sitzen.

Wenn Sie diese Bedürfnisse kennen, wissen Sie, auf was Ihr Gegenüber wirklich aus ist.

3. Beachten Sie die verschiedenen Dimensionen des Konflikts.

Wenige Konflikte eskalieren. Die Meisten bleiben unerkannt. Sie tarnen sich als sachliche Auseinandersetzungen: Meinungen prallen aufeinander. Widerspruch wird geäußert. Möglicherweise steckt dahinter ein Beziehungskonflikt – zwischenmenschliche Bedürfnisse eines Beteiligten wurden verletzt – oder ein Machtkonflikt – Rangstreitigkeiten werden ausgetragen.

Ein Konflikt kann damit nicht nur eine aktuelle sachliche Dimension haben, sondern tiefergehende Ursachen aus der Vergangenheit. Seien Sie feinfühlig und urteilen Sie nicht vorschnell!

4. Halten Sie die Kommunikation aufrecht oder stellen Sie sie wieder her.

Nichts ist wichtiger, als sich auszusprechen. Jeder Beteiligte muss eine Chance bekommen, seine Perspektive auf die Auseinandersetzung zu schildern. Ein Konflikt kann nur dann gelöst oder verhindert werden, wenn die Gegenspieler sich einerseits verstehen und andererseits sich verstanden fühlen. „Ich weiß, dass du weißt, warum ich verletzt bin.“ Das ist der Schlüsselsatz zur Versöhnung.

5. Solange Unzufriedenheit herrscht, suchen Sie nach neuen Lösungen.

Ein Kompromiss, bei dem einer nachgeben muss, ist keine Lösung. Ein Deal, bei dem einer verliert, wird auf lange Sicht platzen. Versuchen Sie von Anfang an gemeinsam mit allen Beteiligten zu arbeiten. Erkundigen Sie sich regelmäßig, ob der Gegenüber mit allen Vereinbarungen einverstanden ist. Demonstrieren Sie ihm seinen Vorteil.

Wenn es um Kompromisse geht, seien Sie nicht übereilig, sondern kreativ. Es gibt häufig eine bessere Lösung – eine, bei der jeder gewinnt.

Wer darüber hinaus erfolgreiches Verhandlen sowohl für Beruf als auch für den Alltag erlernen möchte, dem sei unser Online-Verhandlungstraining “Erfolgreich verhandeln” mit bereits über 3500 eingeschriebenen Teilnehmern empfohlen.

Autor: Johannes Stark


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