Kreativität auf Knopfdruck – mit Design Thinking

von Argumentorik, 2. August 2017

Der Auftrag eines Kunden, die Bitte eines Freundes oder ein eigenes Anliegen: Immer wieder stehen Sie vor der Aufgabe, kreativ zu sein, etwas Neues zu erschaffen. Auf Knopfdruck brauchen Sie eine Idee.

Wissen Sie, wie die meisten Menschen an diese Herausforderung herangehen? Die meisten Menschen würden kurz nachdenken bis ihnen eine Idee in den Sinn kommt. Diese Idee planen sie dann bis ins Detail zu Ende und setzen den Plan dann um.

Warum kann das Ergebnis dieser Herangehensweise allenfalls durchschnittlich, womöglich sogar mangelhaft sein?

Indem Sie sich der erstbesten Idee verschreiben, die Ihnen einfällt, entgehen Ihnen viele Ideen, die Ihnen erst in einem längeren Denkprozess gekommen wären. Wenn Sie Ihre Idee umsetzen, bemerken Sie dann vielleicht: „Das funktioniert doch nicht so gut.“. Zu dem Zeitpunkt haben Sie aber schon so viel über die Idee nachgedacht, dass Sie es nicht mehr übers Herz bringen, sie zu verwerfen. Sie haben nur diese eine Idee im Fokus. Das ist, als fischten Sie mit einer Schnur, anstatt mit einem Netz.

Und selbst, wenn Ihre erste Idee tatsächlich genial ist, besteht das Risiko, dass Sie danebenliegen: Die Idee löst das Problem aus Ihrer Sicht, aber nicht aus der Sicht Ihres Auftraggebers. Sie haben sich nämlich nicht die Zeit genommen, ihn wirklich zu verstehen. Sie haben also einen Karpfen gefangen. Ihr Auftraggeber aber wollte einen Hecht.

Drei Prinzipien, um bessere kreative Lösungen zu finden:

1. Probieren Sie alles aus, was Ihnen in den Sinn kommt. Zwei Minuten lang dürfen Sie über eine Idee nachdenken. Mehr nicht. Sonst wird die Idee Ihnen zu wertvoll. Nach zwei Minuten kommt die nächste Idee. Zeichnen Sie auf, was Sie denken, dann können Sie besser vergleichen. Sie bauen ein Gartenhaus für Ihren Neffen? Dann zeichnen Sie von jedem wichtigen Detail 5 verschiedene Ausführungen: 5 Türen, 5 Giebel, 5 Verandas. So haben Sie die Wahl: Was taugt Ihnen am besten?

2. Orientieren Sie sich völlig am Nutzer. Egal, was Sie erschaffen: Beurteilen Sie es nie als Designer. Beurteilen Sie es immer als User. Stellen Sie sich immer wieder die Frage: Wie wird sich das, was ich da gerade plane, letztendlich anfühlen? Auch bei dem Gartenhaus ist nur eines wichtig: Wie wird sich der Neffe fühlen, wenn er das Häuschen betritt?

3. Stellen Sie diesen Nutzen ständig in Frage. Was ist an Ihrer Idee überflüssig? Was können Sie einsparen? Seien Sie Ihr härtester Kritiker. Und wenn Sie das selbst nicht schaffen, holen Sie sich Feedback.
Interviewen Sie Ihren Neffen zu jedem möglichen Zeitpunkt: Wozu will er das Gartenhaus nutzen? Was will er lagern? Wie soll Tür, Giebel und Veranda gestaltet sein?

Um diese drei Prinzipien zu managen, haben amerikanische Wissenschaftler ein Prozessmodell entwickelt: Das Design Thinking.

Design Thinking funktioniert in fünf Schritten:

Schritt 1: Verstehen Sie den Auftrag

Welchen Wunsch hat Ihr Auftraggeber? Welche Bedürfnisse stecken dahinter? Quetschen Sie ihn aus! Dieser Schritt darf mindestens genauso lange dauern, wie der spätere Planungsprozess. Und wenn Sie sicher sind, dass Sie alles verstanden haben, fragen Sie zur Sicherheit nochmal: „Wie wäre es, wenn wir das doch ganz anders machen?“

Schritt 2: Definieren Sie das Problem

Notieren Sie sich kurz und knapp, was Sie über den Auftrag wissen. Achtung: Aufschreiben ist wichtig! Nur so erlangen Sie Klarheit. Ihre Lücken werden offenbar. Sollten Ihnen Unstimmigkeiten auffallen: Kein Problem! Wiederholen Sie Schritt 1. Interviewen Sie den Auftraggeber erneut.

Schritt 3: Finden Sie Ideen

Wie oben erwähnt, ist es essentiell, mehrere Ideen gleichzeitig zu entwickeln. Überlegen Sie sich mindestens 3 alternative Ideen. Skizzieren Sie diese. Dann vergleichen und verbessern Sie. Reduzieren Sie Ihre Ideen auf eine Anzahl, die Sie tatsächlich umsetzen können.

Schritt 4: Modellieren Sie Ihre Idee

Papier, Stoff, Knetmasse, Lego – Ihrer Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. Wichtig ist nur: Ihre Idee muss greifbar sein. Sie brauchen nicht sofort die ganze Gartenhütte aufbauen. Ein Modell genügt. Dann heißt es wieder: Feedback vom Auftraggeber. Was sagt Ihr Neffe dazu? Was können Sie noch verändern?

Schritt 5: Testen Sie Ihr Modell

Bevor Sie ein Ergebnis präsentieren, müssen Sie noch einmal den Selbstkritiker in Ihnen wecken. Testen Sie Ihr Modell unter allen möglichen Umständen. Ist es tatsächlich perfekt? Solange Sie diese Frage nicht bejahen können: Zurück zu Schritt 4. Oder Schritt 2. Oder Schritt 1.

Gut möglich, dass Sie Ihr Problem neu definieren müssen, wenn Sie merken, dass das Ergebnis noch nicht den Erwartungen entspricht. Das ist aber kein Problem für Sie. Schließlich haben Sie noch nichts Substanzielles hergestellt. Sie liegen sehr gut in der Zeit.

Leben Sie die drei Grundprinzipien des kreativen Schaffens in diesem Prozessmodell aus. Finden Sie schneller kreativere und bessere Lösungen.

Möchten Sie intensiver an Ihren Fähigkeiten und damit an Ihrer Persönlichkeit arbeiten? Dann empfehlen wir Ihnen ein paar Video-Lektionen unseres Online-Kurses zur Persönlichkeitsentwicklung zu absolvieren! Sie werden erstaunt sein, wie Sie durch die vielen kreativen Ideen im Kurs Ihre eigene Persönlichkeit weiter ausbauen  und zu einem zufriederen Menschen werden.

Autor: Johannes Stark


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