Mobbing am Arbeitsplatz – was man darunter versteht und wie Sie damit umgehen.

von Argumentorik, 18. November 2017

Mobbing ist in unserer Arbeitswelt keine Seltenheit. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass Sie selbst oder ein guter Bekannter von Ihnen schon mindestens einmal davon betroffen war.

Wahrscheinlich stellen Sie sich jetzt die Frage: Was ist Mobbing überhaupt?

Der Definition nach bezeichnet man mit Mobbing systematische Angriffe auf eine Person über einen längeren Zeitraum hinweg.

Doch was versteht man unter einem „systematischen Angriff“?

Viele Menschen denken da sofort an eine Attacke auf die seelische und körperliche Gesundheit – beispielsweise eine Drohung oder ein gewaltsamer Übergriff. Na klar, das gibt es leider auch. Gleichzeitig zählt es aber bereits als Mobbing, wenn jemand mutwillig Ihre Berufssituation erschwert oder Ihre Lebensqualität einschränkt. Nehmen wir an, Ihr Vorgesetzter gibt Ihnen regelmäßig in einer bestrafenden Weise unangenehme Arbeitsaufgaben. Die Betonung liegt hier auf wiederholt und mutwillig: Sie sollen schon wieder die Unterlagen Ihrer Kollegen kopieren, obwohl das keines Falls Ihr Job ist. Das ist Mobbing!

Klassisch für Mobbing ist auch das Herabsetzen Ihres persönlichen Ansehens. Ein Kollege verbreitet zum Beispiel üble Gerüchte und Verdächtigungen über Sie. Oder aber er greift Ihre zwischenmenschlichen Beziehungen an. Vielleicht werden Sie willkürlich aus einem Team versetzt, mit dem Sie sich sehr gut verstanden haben.

Als Mobbing zählt auch schon, sobald Ihre Möglichkeiten, sich mitzuteilen, behindert werden. Ihnen wird beispielsweise nahegelegt, sich nicht mehr zu äußern. Man gibt Ihnen zu verstehen, dass Sie mit Ihren Kommentaren das Betriebsklima stören. Sie bekommen plötzlich keinen Kontakt mehr zu bestimmten Ansprechpartnern in der Firma. All das ist Mobbing. Und es gilt, aufmerksam zu sein.

Das wichtigste ist, dass Sie ernst nehmen, was vor sich geht – bei Ihnen selbst oder im Bekanntenkreis. Studien legen nahe, dass Mobbing-Täter ihre Angriffe oft verschleiern, indem Sie andere Personen oder Umstände verantwortlich machen. Gleichzeitig suchen Mobbing-Opfer leider oft die Schuld bei sich selbst.

Also, spielen Sie Zwischenfälle nicht herunter. Vor Allem dann nicht, wenn sie wiederholt auftreten. Hören Sie auf Ihr Bauchgefühl und handeln Sie.

Dazu habe ich 5 Empfehlungen:

1. Ziehen Sie möglichst früh Grenzen

Nehmen wir an, Sie haben das Gefühl, von einer Kollegin unfair behandelt zu werden. Wahrscheinlich können Sie Ihrer Kollegin nicht nachweisen, dass ihr Verhalten böswillig ist. Warten Sie bitte nicht auf diese Bestätigung. Handeln Sie sofort. Machen Sie Ihrer Kollegin klar, dass Sie mit ihrem Verhalten nicht einverstanden sind. Ob Vorsatz oder Versehen – das ist nicht wichtig. Machen Sie deutlich: „Dieses Verhalten ist mir unangenehm. Unterlassen Sie es bitte.“

Ein selbstbewusstes Auftreten gilt als Schutzfaktor Nummer 1 gegen Mobbing. Also seien Sie klar und direkt.

2. Stabilisieren Sie sich persönlich

Schutzfaktor Nummer 2 gegen Mobbing ist ein soziales Netzwerk. Wenn Sie also wahrnehmen, dass eine Person in Ihrem Umfeld Sie bedrängt oder schlecht über Sie redet, behalten Sie das nicht für sich. Aktivieren Sie Ihr soziales Umfeld. Öffnen Sie sich erst gegenüber Freunden, dann gegenüber vertrauten Kollegen. Teilen Sie Ihre Eindrücke und bitten Sie um Einschätzungen. Allein die Möglichkeit, Ihren Unmut auszudrücken, wird Sie stabilisieren.

Falls Sie nicht selbst betroffen sind, sondern eine Person aus Ihrem Bekanntenkreis, ist das beste, was Sie tun können, folgendes: Zeigen Sie, dass Sie für die betroffene Person da sind. Versichern Sie Ihre Unterstützung, was immer passiert. Auf diese Weise stabilisieren Sie Ihren Bekannten.

3. Bemühen Sie sich um eine Veränderung der Arbeitssituation

Gut möglich, dass Ihre übergriffige Kollegin nicht einsichtig ist und erneut Ihre persönlichen Grenzen überschreitet. In diesem Fall gilt: Versuchen Sie nicht, diese Person zu ändern. Ändern Sie Ihr Verhältnis zu Ihr. Machen Sie sich unabhängig – so schnell wie möglich. Fragen Sie sich: Wie kann meine Arbeitssituation verändern, um möglichst wenig mit dieser Kollegin in Kontakt zu kommen? Oft hilft schon ein Wechsel in ein anderes Team oder Projekt, um die Situation zu entschärfen oder zumindest der Täterin den Einfluss auf Sie zu entziehen.

4. Vermeiden Sie eine Eskalation

Mobbing-Täter haben eine Geheimwaffe: Provokation. Ihre Kollegin versucht, Sie anzustacheln. Sobald Sie zurückschlagen, sind Sie nämlich nicht mehr unschuldig. Sie sind verwickelt: Es wird immer schwerer für Sie, den Konflikt aufzuklären. Deshalb ein wichtiger Tipp: Lassen Sie sich nicht provozieren. Wehren Sie sich – klar, deutlich und erwachsen. Stellen Sie die Kollegin zur Rede. Holen Sie einen Mediator hinzu. Solang Sie auf der rechtschaffenen Ebene bleiben, sind Sie immer im Recht.

5. Gehen Sie konstruktiv an den Konflikt heran

Mobbing ist oft eine Folge von tieferliegenden persönlichen Konflikten. Die meisten Täter handeln nicht aus reiner Boshaftigkeit. Im Hintergrund stehen oft verletzte Bedürfnisse, Frust oder Neid. Diese Konflikte können bearbeitet werden. Dies steht natürlich keinesfalls in Ihrer Verantwortung. Dennoch hilft Ihnen vielleicht der Gedanke an einen persönlichen Konflikt als Ursache für das übergriffige Verhalten: Sie verstehen, was Ihre Kollegin antreibt. Sie können besser mit Ihr umgehen und sich besser vor Ihr schützen. Versuchen Sie in einer Mobbing-Situation also immer auch einen lösbaren Konflikt zu sehen.

Mit diesen fünf Strategien können Sie Mobbing-Situationen von nun an selbstsicher und kompetent begegnen.

Eine weitere gute Möglichkeit, auf verbale Mobbing-Attacken zu reagieren, sind natürlich auch Schlagfertigkeitstechniken. An dieser Stelle sei Ihnen daher der Online-Kurs „Schlagfertigkeit: Die 10 besten Schlagfertigkeitstechniken“ empfohlen, der Sie auf solche Mobbing-Situationen exzellent vorbereitet.

Autor: Johannes Stark


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