Weichmacher vermeiden – machen Sie sich nicht schwächer, als Sie sind!

von Argumentorik, 29. März 2017

Vielleicht“, „möglicherweise“, „ein bisschen“, „mehr oder weniger“, „eigentlich“ – das alles sind sprachliche Weichmacher. Sie werden dazu verwendet, die Kraft bestimmter Aussagen abzudämpfen. Grundsätzlich ist es nicht falsch, mit Hilfe solcher Wörter Thesen vorsichtiger und vager zu formulieren. Problematisch wird es dann, wenn Weichmacher unbewusst und unbeabsichtigt ständig in den Vortrag einfließen. Die Gefahr dabei: Sie beschränken Ihre eigene Botschaft!

Wir waren schon mehr oder weniger erfolgreich, aber wir müssen noch ein bisschen besser werden.“

Dem, der das sagt, glaube ich weder, dass er erfolgreich war, noch dass er Potenzial hat, sich zu verbessern.

Die Frage ist: Woher kommt die Gewohnheit, uns unglaubwürdig zu machen?

Jeder von uns hält an bestimmten Glaubenssätzen fest, die er von klein auf verinnerlicht hat. Vor Allem durch unsere Erziehung wurden uns solche Gedankenmuster vermittelt. Das Kind, das im Supermarkt quengelt, wird zurechtgewiesen und lernt: „Ich soll nicht fordern!“.

In der Schule wird das Kind für seine guten Leistungen gehänselt und merkt sich: „Ich darf auf Erfolge nicht stolz sein!“ Mit der Zeit und Erfahrung schwächt sich der Einfluss dieser Glaubessätze natürlich ab, verschwindet aber selten vollständig. Vor Allem in Kontexten, in denen wir unsicher sind, treten sie dann wieder auf – Beispiel: Vortragssituation. Diese Gedanken, im Falle des Kindes: „Fordere nicht!“, verleiten uns dann dazu, Forderungen oder Erfolge aufzuweichen: Wir betten sie in Weichmacher ein.

Aus „Selbst in unserer ausführlichen Besprechung gestern konnten wir noch kein Ergebnis finden“ wird „Wir haben uns gestern schon mal ein bisschen unterhalten, aber sind noch nicht so recht zu einem Ergebnis gekommen“.

Die Aufgabe besteht darin, Weichmacher zu identifizieren und sie zu ersetzen. Gewöhnen Sie es sich an, Ihre Vorträge aufzuzeichnen. Recorder-Apps gibt es für jedes Smartphone. Nutzen Sie diese, um Ihre Wortwahl zu evaluieren und lassen Sie sich auch von Zuhörern Feedback geben. Sagen Sie Ihrem Kollegen einfach: „Pass doch bitte mal bei meiner Präsentation auf, wie oft ich „vielleicht“ sage!“

Lernen Sie Ihre Lieblings-Weichmacher kennen und sagen Sie ihnen den Kampf an! Kein solches Wort kommt mehr über Ihre Lippen!

Dieses Vorhaben wird besonders knifflig bei völlig unvorbereiteten Situationen: Sie erhalten eine kritische Zwischenfrage oder werden zu einem spontanen Statement gedrängt. In diesem Fall wollen Sie erst recht kompetent und wirkungsvoll antworten. Wenn Sie von Ihren Fähigkeiten zu einem solchen Auftreten überzeugt sind, könnte das schon bald Ihr neues Gedankenmuster sein: „Ich antworte kompetent und wirkungsvoll“!

Es ist unter Mentaltrainern bekannt, dass alte Glaubenssätze am besten durch neue ersetzt werden. Überzeugen Sie sich selbst davon, dass Sie „genau das richtige getan haben und tun werden“. Überzeugen Sie sich vom Gegenteil Ihrer Überzeugungen!

Dank der Aufnahmen wissen Sie jetzt, bei welcher Thematik Sie zu Weichmachern greifen. Sie kennen Ihre Glaubensbarrieren. Formulieren Sie sich eine Gegenposition und hämmern Sie diese in Ihren Kopf. Das funktioniert in den drei Grundschritten der Veränderung von Denkmustern:

1. Reflektieren: Werde dir bewusst, was du glaubst. Lege fest, was du glauben willst.

2. Festhalten: Schreib dir deine neuen Gedanken auf. Häng sie überall hin, dass du sie sehen kannst.

3. Wiederholen: Sag dir bei jeder Gelegenheit deine neuen Gedanken vor, am besten morgens, nach dem Aufstehen, abends, und vor herausfordernden Ereignissen.

Wollen Sie an Ihrem rhetorischen Baukasten arbeiten, dann sei Ihnen unser Online-Kurs „Rhetorik: Selbstbewusst kommunizieren und überzeugen” mit bereits mehr als 8000 eingeschriebenen Teilnehmern empfohlen.

Autor: Johannes Stark


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