Richtig strukturieren: 6 Möglichkeiten, Deine Gedanken zu ordnen

Richtig strukturieren: 6 Möglichkeiten, Deine Gedanken zu ordnen

von Argumentorik, 12. September 2019

 Transkription der Folge 42 aus dem Podcast “MENSCHEN ÜBERZEUGEN
 

Kommt Dir das bekannt vor? Immer wenn Du etwas länger am Stück redest, zum Beispiel in einem Vortrag, einer Vorlesung, einer Präsentation oder einem Referat, stellst Du Dir die Frage: Wie teile ich den Inhalt ein?

Und zwar so, dass die Struktur plausibel und für alle zu verstehen ist, dass jeder immer genau weiß, an welcher Stelle Du in Deinem Vortrag bist und Dir folgen kann?

Um mit gutem Beispiel voranzugehen, möchte ich kurz sagen, welche Redestrukturen ich Dir in diesem Blogbeitrag vorstellen werde. Es sind folgende sechs: 

Inhaltsverzeichnis: Das erwartet Dich

>>> INFOGRAFIK: 6 Stukturierungsmöglichkeiten

Redestruktur #1: Klassische Struktur

Redestruktur #2: Chronologische Struktur

Redestruktur #3: Pro-Contro-Struktur

Redestruktur #4: Lösungsorientierte Struktur

Redestruktur #5: Operative Struktur

Redestruktur #6: In-medias-res-Struktur

Redestruktur Nr. 1: Die klassische Struktur           

Wenn Du noch relativ am Anfang bist – also noch kein begnadeter Redner bist – dann bietet sich auf jeden Fall die ganz klassische Struktur an. Wir kennen sie alle aus der Schule: Einleitung, Hauptteil und Schluss.

Was aber genau gehört in die Einleitung und was eigentlich in den Schluss? Beim Hauptteil ist für alle klar, da präsentiert man sein Thema, seine Geschichte, seine Argumente. Was aber sagt man in der Einleitung?

Der erste Punkt sind die Begrüßung und das Thema der Rede. Zweitens natürlich der Zweck der Rede. Was bezweckst Du mit dem Referat oder mit der Präsentation? Möchtest Du etwas zeigen, etwas in Frage stellen oder die Leute zu etwas bewegen? Am besten ist es, wenn die Leute gleich wissen, in welche Richtung es gehen wird und in welche Richtung Du sie überzeugen möchtest. Denn das Schlimmste, was Dir passieren kann, ist, dass Du in einer Einleitung ganz grob das Thema nennst, aber in Wirklichkeit weiß ich als Zuhörer gar nicht, was Du genau von mir möchtest.

Im Hauptteil geht es ja, wie gesagt, um die Darstellung des Themas und Deiner Argumente. Im Schlussteil kommt jedoch auch häufig ein Fehler zutage und zwar der, dass einfach nur zusammengefasst und fast alles kurz wiederholt wird. Natürlich soll man hier nur das Wesentliche zusammenfassen. Genau darum geht es am Schluss.

Man sollte unbedingt immer auch einen Appell starten, denn Du redest ja nicht umsonst, sondern Du möchtest durch Deine Rede etwas bewirken, möchtest etwas verändern. Du möchtest wahrscheinlich eine Handlung anpreisen oder die Menschen bewegen – egal ob positiv oder negativ.

Der Appell gehört in jede Rede und obwohl das jeder weiß, jeder kennt ja eigentlich im Grundsatz diese Struktur Einleitung- Hauptteil-Schluss, ist es unglaublich, was ich als Rhetoriktrainer erlebe. Wenn ich eine Rede begutachte, dann hat bei den klassischen Rednern jeder zweite – also über 50 Prozent – gar keine Struktur!

Das heißt also, allein schon indem Du diese klassische Struktur in Deiner Rede vorbereitest, bist Du bereits besser als 50 Prozent aller Speaker. Denn Du hast eine klare Einleitung, einen klaren Hauptteil und einen klaren Schluss.

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Redestruktur Nr. 2: Die chronologische Struktur

Bei der chronologischen Redestruktur muss man sich nicht immer an die Basics halten, sondern geht chronologisch vor. Du erklärst ganz chronologisch von der Vergangenheit bis zur Gegenwart bis in die Zukunft, wie sich ein Gegenstand verhält oder wie sich ein Prozess entwickelt hat.

Diese Struktur ist super, denn die Leute mögen Geschichten und jede Geschichte beginnt ja an einem Punkt in der Vergangenheit und geht bis zu einem Punkt in der Gegenwart. Und höchstwahrscheinlich, weil wir in einem wirtschaftlichen System leben, möchtest Du auch Prognoseerwartungen formulieren, die Du in der Zukunft siehst.

Du brauchst hier gar keine große Einleitung. Der Schluss ist letztlich der Ausblick in die Zukunft, so kannst Du Deine Rede auch strukturieren. Egal ob Du über ein Projekt oder über einen Prozess sprichst oder vielleicht die Leute zu etwas motivieren möchtest, Menschen sind sehr storyinterresiert und es gibt nur eine einzige Geschichte, die rückwärts geht.

Es gibt da diesen einen englischen Film: “Der seltsame Fall des Benjamin Button“. Ein toller Film mit Brad Pitt, den ich schon vor langer Zeit gesehen habe. Er beginnt, wo jemand alt ist und sich dann zurückentwickelt in ein Baby. Das ist eine Ausnahme. Normalerweise läuft unser Leben chronologisch ab und so kannst Du auch Deine Rede aufbauen.

Redestruktur Nr. 3: Die Pro-Contra-Struktur

Die Pro-Contra-Struktur mag ich besonders! Wenn Du mich kennst, weißt Du ja, dass ich zehn Jahre lang debattiert habe und beim Debattieren gibt es immer Pro-Argumente und Contra-Argumente, so auch bei der Pro-Contra-Struktur.

Hierbei ist natürlich die Aufgabe von Dir als Redner oder als Vortragender, Pro- und Contra-Argumente zu präsentieren. Also am Anfang jeder Debatte oder jeder Pro-Contra-Diskussion steht immer eine bestimmte These im Raum.

Beispielsweise: Sollen wir mehr Homeoffice einführen – ja oder nein? Und anschließend präsentiert Du dann die Argumente für die These, danach die Contra-Argumente gegen die These.

Aber wenn Du in einem Unternehmen bist und ein Ergebnis präsentieren möchtest, dann möchtest Du nach den Pro- und Contra-Argumenten im vierten Schritt eine Abwägung machen, also ein Ergebnis oder eine Zusammenfassung, warum die Pro- oder die Contra-Argumente überwiegen.

Also zusammengefasst: Es gibt die These als Punkt 1, die Argumente als Punkt 2, die Contra-Argumente als Punkt 3 und die Abwägung als Punkt 4 mit einem Ergebnis: entweder pro oder contra.

Redestruktur Nr. 4: Die lösungsorientierte Struktur

Die vierte Struktur, die Du anwenden könntest, um beim Sprechen richtig strukturiert zu sein, ist die sogenannte lösungsorientierte Struktur.

Bei der lösungsorientierten Struktur hast Du insgesamt drei Schritte. Zunächst ermittelst Du das Problem, was existiert, zum Beispiel im Team. Du besprichst es im Team und stellst es dann dar. Bei der Analyse oder Beschreibung musst Du nicht allzu lange reden, weil die Leute normalerweise wissen, wo das Problem liegt. Insofern ist dieser erste Schritt relativ kurz.

Der zweite Schritt ist die Ursache des Problems. Du analysiert, woher kommt dieses Problem überhaupt und warum haben wir dieses Problem? Wie ist es entstanden? Wie hat es sich über die Zeit vergrößert? Das ist eine ganz neutrale und objektive Ursachenforschung. Und dieser Teil ist natürlich etwas länger oder sollte etwas länger aussehen als die Beschreibung.

Im dritten Teil geht es um die Lösung bzw. den Lösungsweg. Du präsentierst hier, warum Dein Lösungsweg ein guter Lösungsweg ist, warum er ein effizienter und effektiver Lösungsweg ist. Auf diesen dritten Teil solltest Du höchstwahrscheinlich die meiste Deiner Redezeit verwenden, denn die Leute wollen natürlich überzeugt werden, dass genau Dein Lösungsweg das Problem bzw. die Ursache des Problems auch wirklich löst.

Natürlich kannst Du auch zwei oder drei Lösungswege vorschlagen und dann einen präferieren, einen empfehlen. Aber es ist am besten, wenn Du einfach nur einen guten Lösungsweg hast und dieser Lösungsweg einfach Sinn macht und für alle plausibel ist!

Redestruktur Nr. 5: Die operative Struktur

Die operative Struktur ist vor allem in unserer Businesswelt eine sehr beliebte Struktur. Es geht um die Operation, darum etwas in den Griff zu bekommen. Vor allem bei Projekten. Und als erstes bei einem Projekt definiert man natürlich das Ziel. Was wollen wir am Ende des Projekts erreichen?

Zweitens gibt es dann die Planung. Wie erreichen wir dieses Ziel in unserem Projekt? Anschließend unterhalten wir uns dann über die Durchführung und über die Verteilung der Aufgaben.

Das vierte ist die Kontrolle, also nicht nur die Kontrolle ganz am Ende, sondern bei längeren Projekten braucht man natürlich eine Intervallkontrolle, also alle vier Wochen alle zwei Wochen, alle drei Monate, je nachdem, was für ein Projekt es ist. Man muss natürlich auch kontrollieren, ob die Durchführung nach Plan läuft und ob man das Ziel, was man sich gesteckt hat in einer realistischen Art erreichen kann oder ob man gegebenenfalls die Planung etwas anpassen sollte.

Also zusammengefasst: Ziel, Planung, Durchführung, Kontrolle.  Das sind auch die vier Punkte, nach denen Du Deine Rede strukturieren kannst.

Redestruktur Nr. 6: In-medias-res-Struktur

Die In-medias-res-Struktur verwendest Du, wenn Du etwas strukturieren möchtest, aber zum Beispiel zu wenig Zeit hast.

Oder aber Du musst relativ spontan sprechen. Du hast gar keine Zeit, über eine geniale Pro-Contra-Struktur nachzudenken oder Dir eine tolle operative Struktur mit Planung, Durchführung und Kontrolle zu überlegen.

Wenn Du also relativ spontan reden musst, dann nannten die Lateiner das früher “in medias res”. Das heißt übersetzt: “die Mitte der Sache”.

Man redet nicht lange, man hat überhaupt gar keine Einleitung, keinen Zweck, sondern man sagt seine Kernbotschaft. Man kann sofort seine Meinung äußern und begründet sie und zwar nimmt man einfach das erste Argument, was einem in den Sinn kommt. Das ist häufig auch ein gutes Argument. Was einem intuitiv als erstes in den Sinn kommt, ist einfach das, was richtig ist oder mit hoher Wahrscheinlichkeit richtig sein wird.

In medias res bedeutet eigentlich die Abwesenheit von Struktur oder wenn man es kurz formuliert: Es ist einfach die eigene Meinung und die Begründung dahinter und sonst nichts. Das ist die Mitte der Sache.

6 Strukturierungsmöglichkeiten auf einen Blick

Zusammenfassung

Wir haben die klassische Struktur, die Du im Zweifel oder wenn Du noch nicht so redegeübt bist nehmen solltest – Einleitung, Hauptteil, Schluss.

Die chronologische ist eine schöne Abweichung davon – Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft.

Wenn Du gerne debattierst, orientiere Dich an der Pro-Contra-Struktur.

Die vierte Struktur ist die lösungsorientierte, wo Du über das Problem, über die Ursache und anschließend über den Lösungsweg sprichst.

Operative Zielplanung, Durchführung und Kontrolle ist eine wichtige Struktur bei der Planung von Projekten.

Und die sechste Struktur, die ja fast schon selbst eine Struktur ist: Das ist einfach die Meinung oder die Kernbotschaft und anschließend das Argument dazu: In-medias-res-Struktur.

Das sind also die sechs Möglichkeiten, wie Du eine Rede strukturieren kannst. Wenn Du Dir nicht sicher bist: Bei der klassischen kann man nicht falsch liegen, während Du bei der chronologischen vielleicht etwas durcheinanderbringen kannst oder bei der operativen vielleicht zu wenig Zeit mit der Durchführung oder der Kontrolle verbingst.

Wenn Du eine klare Einleitung mit Begrüßung, Thema und Zweck Deiner Rede und eine Zusammenfassung am Schluss hast mit dem Appell, was das Wesentliche ist, hast Du einen guten Airbag.

Insofern ist auch in diesem Blogartikel mein Appell an Dich: Nimm im Zweifel die klassische Struktur. Damit bist Du besser als 50 Prozent der anderen Redner oder Referenten!

Und falls Du die anderen einmal ausprobieren kannst oder möchtest, dann probiere sie aus. Probiere einfach einmal eine dieser anderen fünf Strukturen im nächsten Referat oder Vortrag. Halte kleine Reden vor dem Team und strukturiere jede Rede, die länger dauert als ein bis zwei Minuten, nach einer dieser sechs Strukturen.

Viel Erfolg!

Autor: Wlad Jachtchenko

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