Menschen motivieren & sich besser verstehen: Die 4 Motivationstendenzen nach Gretchen Rubin

Menschen motivieren & sich besser verstehen: Die 4 Motivationstendenzen nach Gretchen Rubin

von Argumentorik, 6. Mai 2020

Transkription der Folge 120 aus dem Podcast “MENSCHEN ÜBERZEUGEN

Je nach Persönlichkeitstyp kann man Menschen unterschiedlich motivieren oder überzeugen. Heute möchte ich Dir ein Modell vorstellen, was etwas anders ist als die üblichen; gleichzeitig aber sehr überzeugend, was mir persönlich gut gefällt.

Es ist das Modell von Gretchen Rubin. Ihr Ausgangspunkt ist, wie Menschen auf unterschiedliche Erwartungen reagieren. Und zwar gibt es bei ihr zwei Arten von Erwartungen.

Zwei Arten von Erwartungen

Es gibt einmal die äußeren Erwartungen, zum Beispiel Deadlines, Termindruck vom Chef – wo andere etwas von uns möchten. Und es gibt die inneren Erwartungen, also die Erwartungen an uns selbst, etwa gute Vorsätze an Neujahr. Es gibt unterschiedliche Menschen und diese Menschen reagieren unterschiedlich auf äußere und innere Erwartungen.

Nach Rubins Modell gibt es vier Typen von Menschen und sie reagieren jeweils anders: Die einen positiv auf äußere Erwartungen, die anderen negativ, die einen positiv auf innere Erwartungen und die anderen negativ. Auch gibt es unterschiedliche Motivationen, von denen sich diese vier Typen leiten lassen.

Vier Persönlichkeitstypen

Es gibt den Pflichtbewussten, den Hinterfragenden, den Disziplinierten und den Rebellen.

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Persönlichkeitstyp 1: Obliger – der Pflichtbewusste

Der Obliger erfüllt von außen gesetzte Erwartungen sehr gut. Er hat aber Schwierigkeiten, seine innerlich gesetzten Erwartungen zu erfüllen. Das heißt also, wenn er sich selbst vornimmt zum Sport zu gehen, kann es gut sein, dass es ihm nicht gelingt, dies in die Praxis umzusetzen. Wenn er sich jedoch mit einem Freund zum Joggen verabredet, dann kann er darauf sehr gut reagieren, weil es Erwartungen von außen sind.

Er handelt nach dem Leitsatz:

Wenn ich anderen etwas verspreche, dann mache ich das. Aber wenn ich mir selbst etwas verspreche, dann mache ich das nicht.

Der Tipp von Gretchen Rubin ist, dass Du Dir als Obliger ein System schaffst, indem Du eine gewisse Verlässlichkeit, also ein gewisses äußeres Versprechen, anderen Menschen gegenüber machst. Und dann bist Du auch viel besser darin, die Versprechen auch umzusetzen.

Nach Rubin sind die glücklichsten Menschen diejenigen, die nicht einer bestimmten Tendenz angehören, sondern die wirklich herausgefunden haben, wie sie die Stärken ihrer Tendenz am besten nutzen und wie sie die Schwächen ein wenig umschiffen. Insofern ist es natürlich am besten, wenn Du Dir nach außen ein Geflecht an Vereinbarungen und Verpflichtungen machst, das Du gut einsetzen kannst.

Persönlichkeitstyp 2: Questioner – der Hinterfragende

Er erfüllt nur seine inneren Erwartungen und den äußeren Erwartungen folgt er gar nicht. Der Questioner folgt nur Dingen, die von außen kommen, von denen er auch zu 100% selber überzeugt ist! Das heißt, für ihn ist die Frage nach dem Warum die entscheidende. Natürlich ist er jemand, der sehr viele Fragen stellt.

Das kommt mitunter ein bisschen nervig rüber, weil er wirklich alles bis ins Detail wissen und verstehen möchte. Ansonsten kommt er nicht zum Handeln oder lässt sich nicht motivieren. Und dabei will er gar nicht nerven, sondern Antworten finden. Wie kann man es besser machen, was kann man noch machen?

Wenn auch Dich diese Frage beschäftigt, dann ist es gut, eine innere Grenze zu setzen. Zum Beispiel möchtest Du einen Laptop kaufen und ein klassischer Questioner wird natürlich alles im Internet recherchieren und 100 Laptops vergleichen. Und am Ende kann er dann immer noch keine Entscheidung fällen, weil er denkt, er könnte doch noch ein bisschen weiter recherchieren.

Sein Vorteil hingegen: Er ist meistens gut informiert. Er stellt viele Fragen. Er bekommt viele Antworten. Dieses endlose Hinterfragen lähmt aber natürlich sein Handeln. Rubins Tipp: Innere Grenze setzen – nur 20 Laptops recherchieren, ansonsten kommst Du nicht zum Umsetzen!

Persönlichkeitstyp 3: Upholder – der Disziplinierte

Der Vorteil des Upholders: Wenn er sich etwas vornimmt, dann macht er das einfach und hat keine Probleme, sowohl seine inneren als auch seine äußeren Erwartungen zu erfüllen.

Das ist also ein Mensch, der sich vornimmt, dass er fünf Mal in der Woche zum Sport geht. Und dann macht er das einfach. Das ist gleichzeitig auch ein Mensch, der, wenn er von außen eine Deadline bekommt, sie rechtzeitig oder früher einhält. Er ist sozusagen der Streber unter den vier Persönlichkeitstypen.

Auch er hat natürlich ein Problem. Denn es ist so, dass von außen und von innen sehr viele Erwartungen auf den Upholder strömen und alle diese zu erfüllen, stresst ihn. Daher ist er am meisten vom Burnout gefährdet.

Der Tipp für unseren Upholder ist, dass er sich ein wenig reduziert. Er sagt sich also, dass er einige von seinen inneren oder äußeren Erwartungen streicht. Etwa nur 10 statt 15 Neujahrsvorsätze. Das sind immer noch mehr als 90% aller anderen Menschen.

Dass er zumindest bei einem Viertel seiner Aufgaben seiner äußeren Erwartung auch mal Nein sagt, um nicht in Stress zu kommen. Aber noch einmal zu seinem Vorteil: Er ist jemand, der keine großen Motivationsschübe von außen braucht; er nimmt sich Dinge vor und setzt sie einfach um.

Persönlichkeitstyp 4: Rebel – der Rebell

Wir kommen zu dem schwierigsten Persönlichkeitstypen – dem Rebel – zumindest schwierig im Sinne von: Man kann diesen Menschentyp schwer motivieren. Man kann ihn aber besser verstehen, wenn man sich vorstellt, dass es “Rebellen” gibt, die sich sowohl inneren als auch äußeren Erwartungen widersetzen.

Sie lieben die Freiheit, sie lieben die Autonomie. Und wenn man versucht, sie von außen zu motivieren, möchten sie genau das Gegenteil von dem tun, was Du ihnen gesagt hast und frei sein. Ein Rebel möchte selbst entscheiden, wann er etwas macht, was er macht und in welchem Tempo er es macht.

Diese Menschen haben es auch mit sich selber schwer. Denn wenn sie eine innere Erwartung haben, wenn sie sich etwas vornehmen, dann fühlen sie sich auch von sich selbst in eine Art Korsett gepresst. Und in diesem Korsett möchten sie nicht leben. Das heißt, diese Menschen erfüllen auch ihre inneren Erwartungen nicht.

Wie kann man sie überzeugen oder motivieren? Das Wichtigste für Rebellen ist der Satz: Genau das will ich machen! Denn wenn der Rebel wirklich etwas machen möchte, dann ist er kaum zu stoppen. Aber bis er dieses Gefühl bekommt, kann er möglicherweise durch seine inneren und äußeren Regeln blockiert werden.

Hier gibt Gretchen Rubin unter anderem die Antwort, mit oder über die Identität zu gehen, also zu fragen: Welche Art von Mensch möchtest Du sein? Also nicht zu sagen: Ich möchte, dass Du mehr Sport machst. Sondern: Welche Art von Mitarbeiter möchtest Du sein? Möchtest Du sportlich sein? Möchtest Du ein richtiger Läufer sein? 

Also, dass man den Rebel nach seiner Identität fragt und nach dem, was er in Wirklichkeit selber möchte. Und eigene Erwartungen anschließend seinem Wunsch, seiner Identität, seinen Zielen anpassen. Dann wird er das nicht als Motivation oder Pflicht wahrnehmen, sondern als etwas, was ihn selbst in seinem eigenen Bild nach vorne bringt! Man muss einfach herausfinden, was ihn antreibt und schauen, wie das zu den Aufgaben passt. Diese herunterbrechen und seinem großen Ziel unterstellen, aber wissen: Höchstwahrscheinlich wird er es nicht machen. Das muss man dann einfach akzeptieren.

Um herauszufinden, welcher Persönlichkeitstyp Du bist, habe ich hier den Test von Gretchen Rubin verlinkt. Sie sagt die Rebels sind zum Glück die kleinste Gruppe und die Obliger (=Pflichtbewussten), die von außen getrieben sind, die größte.

Wenn man dieses System anwendet, kann man Menschen besser einordnen und dann, das ist meine persönliche Erfahrung, hat man viel mehr Empathie und Verständnis für diese. Gerade für Führungskräfte, Entscheider und Coaches  – aber auch im Alltag – kann das sehr nützlich sein.

Viel Erfolg!

Autor: Wladislaw Jachtchenko

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